26.10.2018

Analyse eines Teils einer Qumran-Rolle

Fragmente der Qumran-Rollen, die 2006 bis 2010 an der BAM untersucht wurden.

Quelle: BAM

Das Museum of the Bible hat am 22. Oktober 2018 die Ergebnisse der Analyse ihrer fünf Qumran-Fragmente verkündet. Im Auftrag des Museums hat die BAM eine Reihe von Untersuchungen an den Fragmenten durchgeführt. Die Analyseergebnisse der BAM zeigen, dass die fünf Fragmente Materialeigenschaften aufweisen, die nicht konsistent sind mit jenen, die gesicherter Herkunft sind.

Im Bereich Kunst- und Kulturgutanalyse hat die BAM eine umfassende Expertise in der zerstörungsfreien Materialanalyse von Farbmitteln, Schreib- und Zeichenmaterialien sowie organischen Schriftträgern.

Warum hat die BAM die Prüfung durchgeführt?

Die BAM hat im April 2017 einen Prüfauftrag vom Museum of the Bible, Washington D.C., USA erhalten. Unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Ira Rabin wurden fünf Fragmente untersucht, die den sogenannten Qumran-Rollen zugeordnet werden.

Die BAM hat dem Auftraggeber kürzlich den Prüfbericht zugesandt. Details zum Prüfbericht müssten beim Auftraggeber erfragt werden.

Wer leitete die Untersuchungen der BAM an den Fragmenten der Schriftrollen?

Frau Prof. Dr. Ira Rabin (stellvertretende Leiterin des Fachbereichs Kunst- und Kulturgutanalyse und Professorin an der Universität Hamburg) und Prof. Dr. Oliver Hahn (Leiter des Fachbereichs Kunst- und Kulturgutanalyse und Professor an der Universität Hamburg).

Welche Untersuchungen wurden durchgeführt?

Da es sich um eine Auftragsforschung handelt, bei der mit dem Auftraggeber Vertraulichkeit vereinbart worden ist, muss hierzu an das Museum of the Bible verwiesen werden.

Bei den 2006 bis 2010 an der BAM untersuchten Fragmenten der Qumran-Rollen wurden beispielsweise die Analysen mittels unterschiedlichen zerstörungsfreien Verfahren durchgeführt, um die Materialzusammensetzung der Tuschen und Pergamente festzustellen.

Was sollten die Untersuchungen genau zeigen?

Bei solchen Untersuchungen geht es in der Regel darum festzustellen, ob vorhandene Proben Gemeinsamkeiten oder Unterschiede mit Vergleichsproben aufweisen.

Was sprach am Ende dann für eine „Fälschung“ bei einigen Fragmenten?

Bei solchen Untersuchungen passt aus materialwissenschaftlicher Sicht der Begriff nicht. Es geht um einen Vergleich, wie bereits beschrieben.

Kann man sagen, wie alt die untersuchten Fragmente sind?

Diese Frage lässt sich mit der zugrunde gelegten Fragestellung nicht beantworten.

Warum wurde gerade die BAM für die Untersuchungen vom Museum of the Bible angefragt?

Prof. Dr. Oliver Hahn: „Die BAM verfügt bei solchen Untersuchungen über jahrzehntelange Erfahrungen und die notwendige Expertise. So wurden beispielsweise Fragmente der Qumran-Rollen bereits 2006-2010 im Rahmen eines Forschungsvorhabens untersucht.“

Wie kann man eine Fälschung erkennen?

Grundsätzlich gilt für die Kunst- und Kulturgutanalyse: „Die naturwissenschaftliche Analyse kann eine Fälschung entlarven, wenn Materialien verwendet wurden, die erst nach dem Entstehungsdatum des vermeintlichen Originals verwendet wurden. Werden jedoch Substanzen verwendet, deren zeitgenössischer Gebrauch überliefert ist, so ist der Beweis für eine Fälschung aus materialwissenschaftlicher Sicht praktisch nicht möglich“, erklärt Prof. Dr. Ira Rabin, Fachbereich Kunst- und Kulturgutanalyse.

Hintergrundinformation zur Kunst- und Kulturgutanalyse

Die Neu- und Weiterentwicklung zerstörungsfreier Analysemethoden macht die naturwissenschaftliche Untersuchung zum wertvollen Instrument für eine umfassende Charakterisierung der Materialzusammensetzung von Kunst- und Kulturgut. Materialwissenschaftliche Analysemethoden geben wichtige Hinweise zur Beantwortung von kulturhistorischen Fragestellungen, die mit geisteswissenschaftlichen Methoden alleine nicht zu lösen sind.

Darüber hinaus ist eine Charakterisierung umweltbedingter Materialschäden in vielen Fällen erforderlich, um geeignete Restaurierungs- oder Konservierungskonzepte zu erstellen. Die naturwissenschaftliche Begleitung von restauratorischen und konservatorischen Maßnahmen komplettiert die Arbeitsschwerpunkte des Fachbereichs Kunst- und Kulturgutanalyse der BAM.

Über die Qumran-Schriften

Die Qumran-Schriften (auch Schriftrollen vom Toten Meer bzw. Dead Sea Scrolls) wurden zwischen 1947 und 1957 in mehreren Felshöhlen entlang der Küste des Toten Meeres nahe der Ruinenstätte Khirbet Qumran im Westjordanland entdeckt. Sie enthalten ca. 900 Manuskripte und Briefe aus dem antiken Judentum.