Quelle: BAM
Projektlaufzeit
01.07.2025 - 30.06.2027
Projektart
Verbundforschungsprojekt
Projektstatus
Laufend
Kurzbeschreibung
Lehmbaustoffe sind nachhaltig, lokal verfügbar und vollständig rezyklierbar. Da sie nur durch Trocknung erhärten, sind sie jedoch wasserempfindlich. Im Forschungsprojekt wird analysiert, ob ökologische Stabilisierungsmaßnahmen die Dauerhaftigkeit bewitterter Stampflehmfassaden nachhaltig verbessern können, ohne einen Zielkonflikt mit deren Recyclingfähigkeit zu erzeugen.
Ort
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Unter den Eichen 87
12205 Berlin
Quelle: GOLEHM
Quelle: BAM
Quelle: BAM
Quelle: BAM
WIR! Bündnis GOLEHM: Initiative für Lehmbau und nachhaltige Kreislaufwirtschaft
https://www.golehm.de
Assoziierter Partner: ZRS Architekten Ingenieure, Berlin
ZRS – Architekten Ingenieure
Lehm gehört zu den ältesten Baustoffen der Menschheit und erlebt gegenwärtig eine Renaissance. Als regional verfügbares, vollständig rezyklierbares Material mit geringem Verarbeitungsaufwand erfüllt er viele Anforderungen an nachhaltiges Bauen. Darüber hinaus weist Lehm gute hygrothermische Parameter auf und verbessert das Raumklima im Innenraum. Dieses spezifische Eigenschaftsprofil sorgt für eine wachsende Nachfrage nach Stampflehmwänden für den Innen- und Außenbereich.
Trotz dieser Vorteile bleibt eine grundlegende Schwachstelle bestehen, denn anders als hydraulische Bindemittel erhärtet Lehm ausschließlich durch Trocknung. Bei anhaltender Feuchtigkeitseinwirkung verliert das Material seine Festigkeit, wobei die Schäden von oberflächlichem Abtrag bis hin zum strukturellen Versagen reichen können. Diese Witterungsempfindlichkeit schränkt Außenanwendungen erheblich ein und bildet den Ausgangspunkt des Forschungsvorhabens.
Ziel des Projektes ist die Stabilisierung und Hydrophobierung von bewitterten Stampflehmwänden. Um die Vorteile der ökologischen Lehmbaustoffe nicht zu kompromittieren, werden Biopolymere eingesetzt, die häufig als Nebenprodukte land- oder industriewirtschaftlicher Prozesse anfallen. Erste Studien erzielten bereits vielversprechende Ergebnisse mit Biopolymeren wie beispielsweise Chitosan, Johanniskernbrotmehl, Xanthangummi und Leinöl in erdbasierten Baustoffen.
Über einen Zeitraum von zwei Jahren werden geeignete Hydrophobierungssysteme ergebnisoffen untersucht. Vielversprechende Biopolymere werden ausgewählt und ihre Wechselwirkungen mit den Tonmineralien sowie in der Gesamtmatrix aufgeklärt. Anschließend werden die Biopolymere in unterschiedlichen Konzentrationen entweder als Massenhydrophobierung beigemischt oder als Oberflächen-beschichtung aufgetragen. Das sequenzielle Prüfprogramm bildet verschiedene Möglichkeiten des Wassereintrags ab und umfasst Kennwerte wie Wasseraufnahme, Erosionsbeständigkeit bei Betropfung, Frost-Tau-Wechselbeständigkeit, und Druckfestigkeit in Abhängigkeit des Feuchtegehalts. Ergänzend werden Rezyklierbarkeit und Erscheinungsbild bewertet. Die sequenzielle Struktur ist dabei methodisch entscheidend: Durch stufenweise Selektion wird eine sehr große Bandbreite an Material-Biopolymer-Kombinationen systematisch durchleuchtet, ungeeignete Systeme werden früh verworfen und Ressourcen gezielt auf die vielversprechendsten Ansätze konzentriert.
Erste Voruntersuchungen zeigen, dass die Faktoren Stampflehm-zusammensetzung, Art des Biopolymers und Applikationsweise einen entscheidenden Einfluss auf die Material-Wasser Interaktionen haben können.
Das Forschungsvorhaben versteht biopolymerbehandelten Stampflehm nicht als Kompromiss zwischen Leistungsfähigkeit und Nachhaltigkeit, sondern versucht beides zu vereinen. Gelingt es eine ökologische und leistungsfähige Hydrophobierung zu entwickeln, steht der Baubranche ein dauerhafter, witterungsbeständiger Baustoff zur Verfügung, der am Ende seiner Lebensdauer rückstandslos in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann.
Partner
WIR! Bündnis GOLEHM: Initiative für Lehmbau und nachhaltige Kreislaufwirtschaft
https://www.golehm.de
Assoziierter Partner: ZRS Architekten Ingenieure, Berlin
ZRS – Architekten Ingenieure
Förderung
BMFTR-Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Förderinitiative „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“
Quelle: BMFTR