Das Team um Dr.-Ing. Jürgen Olbricht begutachtet ein angeliefertes Stück einer Kraftwerks-Dampfleitung (v.l.n.r.: Dong Wang, Dr.-Ing. Hamed Ravash, Dr.-Ing. Jürgen Olbricht und Maria Jürgens).

Das Team um Dr.-Ing. Jürgen Olbricht begutachtet ein angeliefertes Stück einer Kraftwerks-Dampfleitung (v.l.n.r.: Dong Wang, Dr.-Ing. Hamed Ravash, Dr.-Ing. Jürgen Olbricht und Maria Jürgens).

Quelle: BAM, Bild: Michael Danner

Ein junges internationales Forscherquartett um Jürgen Olbricht lässt Metallproben glühen. Es geht um den Umbau des Energiesektors und die Übergangszeit

Ein kleines internationales Team arbeitet hier an einem großen, urdeutschen Thema. Es geht um die Energiewende. Genauer: Um den Weg dorthin, um die Übergangsphase. Natürlich ist dieser Weg technisch anspruchsvoll. Gerade nimmt sich die Forschergruppe ein stählernes Anlagenteil vor. Maria Jürgens und Jürgen Olbricht beraten mit ihren Kollegen Hamed Ravash, der aus dem Iran stammt, und Dong Wang aus China, wie sie das Material prüfen werden. Erstaunlich nur, dass dieses Rohr gar nicht aus einer Anlage der regenerativen Stromerzeugung stammt. Sondern aus einem Kohlekraftwerk.

Um diese Technik kümmern sich die vier Wissenschaftler jedoch sehr ausführlich. Gerade diese herkömmlichen Kraftwerke werden für die Energiewende gebraucht, teilweise auch über das Jahr 2050 hinaus. Und dabei müssten Kohlekraftwerke unter ganz neuartigen Betriebsbedingungen arbeiten, erläutert die Werkstoffwissen­schaftlerin Maria Jürgens. Mal fährt man die Kessel hoch, dann wieder runter. Je nachdem, wie sie als Lückenfüller im Energiemix gebraucht würden. Diese zyklischen Wechsel schlauchen die Anlagen besonders, dafür wurden sie nicht ausgelegt. Das Projekt „FLEXIKON “ soll nun herausfinden, welche Stähle sich für Dampfleitungen und Kessel unter den veränderten Bedingungen am besten eignen.

Hamed Ravash ist dafür aus Belgien nach Berlin gekommen. Er hatte dort bereits an Materialmodellen gearbeitet und darüber promoviert. Der junge chinesische Werkstoffwissenschaftler Dong Wang studierte noch bis vor kurzem in Aachen. Nun forscht er hier für seine Doktorarbeit, genauso wie Maria Jürgens. Dong Wang beobachtet vor allem die Korrosion unter den zyklischen Hochs und Tiefs. Seine Kollegin untersucht die mechanischen Schädigungen. Jürgen Olbricht leitet das Projekt.

Die Arbeit der Nachwuchsgruppe habe einen starken Praxisbezug, lobt Olbricht. Und folgendes treibe alle an: Gerade sie als junge Wissenschaftler helfen dabei, eine der vielen Weichen zur Energiewende zu stellen. Wie genau tun sie es? Sie lassen sich zum Beispiel aus angelieferten Stücken einer Kraftwerks-Dampfleitung kleine Proben heraussägen. Wie eine Säule sieht jede einzelne Probe aus. Sie ist etwas nach innen gewölbt. So wird sie in eine Mess-Einrichtung eingespannt, bei bis zu 700 Grad Celsius auf Druck und Zug geprüft. Dieses Mal ist die Probe für die jungen Wissenschaftler sogar eine Art Leckerbissen: Das Rohr hatte wirklich schon 70.000 Betriebsstunden auf dem Buckel. An solchen gebrauchten Teilen kann getestet werden, wie gut ältere Kraftwerke die häufigen Lastwechsel vertragen. Üblicherweise kommen doch neue Rohre zur Prüfung. Nun aber spricht hier wieder einmal – die Praxis.