05.02.2016

Dr. Rudolf Schneider und Nahla Abdelshafi forschen an einem einfachen Verfahren zur Ermittlung von Umweltgiften z.B. in Gewässern und Trinkwasser.

Dr. Rudolf Schneider und Nahla Abdelshafi forschen an einem einfachen Verfahren zur Ermittlung von Umweltgiften z.B. in Gewässern und Trinkwasser.

Quelle: BAM, Bild: Michael Danner

Dr. Rudolf Schneider leitet den Fachbereich Umweltanalytik der BAM – ein Thema, das immer mehr an Bedeutung gewinne, wie der Chemiker hier erläutert.

Herr Dr. Schneider, auf Ihrem Labortisch liegt ja ein 20-Euro-Schein. Reden Sie gerade über Geld?

Dr. Rudolf Schneider: Eher über das, was am Geld so alles hängt… In der Doktorarbeit von Frau Abdelshafi geht es um die Droge Kokain. Wir können beispielhaft zeigen, dass sich auch mit unseren innovativen Verfahren allerkleinste Spuren nachweisen lassen.

Nahla Abdelshafi: Auf 65 Scheinen, die ich getestet habe, fand ich meistens etwa ein Mikrogramm Kokain. Es reicht offenbar aus, dass Geldscheine in Bankautomaten aufeinander liegen: Einer, der wirklich mit Kokain in Berührung kam, kontaminiert die anderen...

Welches Nachweisverfahren haben Sie denn entwickelt?

Dr. Rudolf Schneider: Wir setzen Immunoassays ein, also Tests mit Antikörpern, wie in der Diagnostik. Damit haben wir viel Erfahrung. Nun nutzen wir sie bei der Suche nach Umweltgiften. So lassen sich synthetische Substanzen in Gewässern oder im Trinkwasser aufspüren. Der Vorteil ist: Man braucht viel weniger Gerät als bei den bisherigen, sehr aufwendigen Chromatographie-Verfahren im Labor.

Daran arbeiten gleich mehrere Doktorandinnen und Doktoranden?

Ich betreue derzeit zehn, die hier in Adlershof dazu forschen. Unsere Messsysteme sollen transportabel sein, für Situationen, wo eine Entscheidung im Moment gefragt ist. Koffein ist für uns eine Indikatorsubstanz oder auch Carbamazepin, ein Wirkstoff aus Epilepsiemitteln. Menschen scheiden diese Substanzen aus. Finden wir sie an einer bestimmten Stelle im Fluss, wissen wir, dass nicht weit davon eine Abwassereinleitung sein muss.

Direkt neben Ihrem Laborgebäude fließt der Teltowkanal. Der dürfte viel zu bieten haben...

Unser Ziel ist es, flächendeckende Prüfungen zu ermöglichen, mit Messstationen in kurzen Abständen. Das gibt es bisher selbst bei wichtigen Flüssen nicht, weil herkömmliche Messungen so aufwendig sind. Am Teltowkanal begannen wir mit unseren Untersuchungen.

Warum betreibt die BAM überhaupt Umweltanalytik?

Im Bereich der chromatographischen Messverfahren sind meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an der Ausarbeitung von Normen und Standards für die Analyse von Umweltproben beteiligt. Wir stellen auch Referenzmaterialien her und setzen sie in der Prüfung ein. Genauso haben wir aber den Auftrag, neue Technologien zu erforschen und auf dem Weg in die Praxis zu begleiten. Durch verlässliche Umweltanalytik leisten wir unseren Beitrag zur technischen Sicherheit von Produkten, Prozessen und der Lebens- und Arbeitswelt der Menschen.