16.08.2018

Martin Hollesch am Arbeitsplatz

Martin Hollesch koordiniert als verantwortlicher Mitarbeiter im Fachbereich Versuchsanlagen und Prüftechnik den gesamten Fertigungsprozess

Quelle: BAM

Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der BAM für ihre Arbeit ein besonderes Bauteil oder Werkstoffproben brauchen, werden diese in den zentralen Werkstätten gefertigt. Egal, ob zwischen Idee und Umsetzung mehr oder weniger Schritte liegen - die Regie führt immer Martin Hollesch. Als verantwortlicher Mitarbeiter im Fachbereich Versuchsanlagen und Prüftechnik koordiniert er den gesamten Fertigungsprozess. Beim Rundgang durch die Werkstätten wird schnell klar: Hier kann fast alles hergestellt werden, was in der BAM gebraucht werden könnte. Viele geplante Arbeitsschritte können mittlerweile per Software an die modernen Werkzeugmaschinen übermittelt und umgesetzt werden.

Ihr Fachbereich wirbt mit dem Spruch "Sie haben eine Idee, wir setzen sie um". In aller Kürze: Wie kommt die Idee in die Maschine?

Zunächst mal ist jeder eingehende Auftrag individuell. Wenn die Aufgabe komplexer ist, hole ich alle an einen Tisch: Den Ideengeber, den Konstrukteur, vielleicht auch einen Arbeitsvorbereiter oder Vorarbeiter, und ich bin als Koordinator auch dabei. Wichtig für die Auftraggeberin oder den Auftraggeber ist es, schnell zu wissen: Können wir die Idee umsetzen? Wenn sich ein Lösungsweg abzeichnet, geht´s los und ich entscheide, wer wann was macht. Zeichnungen und besondere Software unterstützen die Mitarbeiter an ihren Werkzeugmaschinen. Die Auftraggeberin oder der Auftraggeber bekommt auf Wunsch immer wieder einen Zwischenbericht über den laufenden Fertigungsstand, dazu sind wir mit unserem modernen Planungssystem jederzeit in der Lage.

Was ist das Besondere an Ihrer Arbeit bei der BAM?

Auf jeden Fall macht die Vielfalt einen großen Reiz aus. Pro Jahr bekommen wir etwa 850 Aufträge, und wir wissen nie, wie die nächste Aufgabe aussehen wird. Deswegen halten wir auch so unterschiedliche Fertigungstechnologien vor. Motivierend ist auch zu wissen, dass unsere Arbeit direkt in die Forschung einfließt. Wenn ich lese, die BAM hat in der Schwerelosigkeit einen 3D-Drucker betrieben und wir haben ein Bauteil dazu geliefert, dann weiß ich: alles richtig gemacht. Spannend und wichtig finde ich auch, die Mannschaft zusammenzuhalten.

Wenn man im Haus nach Martin Hollesch fragt, heißt es: Der ist ein "Urgestein". Wann und auf welchem Weg sind Sie zur BAM gekommen?

Mitte der 1980er Jahre bin ich eher zufällig bei der BAM gelandet. Ich hatte das Abi gemacht und angefangen zu studieren, aber schnell gemerkt, dass ich etwas Handwerkliches brauche. Hier konnte ich gleich in ein laufendes erstes Lehrjahr einsteigen und habe als Maschinenschlosser früher ausgelernt. Mir war schnell klar, dass es das noch nicht gewesen sein konnte. Deshalb habe ich drei Jahre Abendschule draufgesetzt und den Industriemeister Metall gemacht. Bei der BAM durfte ich danach als Obermeister die Werkstätten führen und bin dann in die Fertigungsleitung aufgestiegen, also an die Schnittstelle zwischen Auftrag und Werkstatt.

Gab es in den rund drei Jahrzehnten Aufträge, die sie mit ihrem Team nicht realisieren konnten?

Erfolg ist, wenn man das leisten kann, was in dem Moment gefordert wird. Es gab aber auch Aufträge, die wir nicht erfüllen konnten, weil sie zu umfassend waren - entweder für die Maschinen oder für das Team. Das ist beispielsweise bei Großserienfertigungen der Fall. Ich kann das Team und die Maschinenkapazität nicht für ein halbes Jahr mit einem Auftrag binden und alle anderen Aufträge ablehnen. In solchen Fällen suche ich externe Firmen, die den Auftrag erledigen könnten. Manchmal geht es auch nicht so, wie die Auftraggeberin oder der Auftraggeber sich das vorstellt. Aber dann entwickeln wir einen anderen Weg. Wir haben auch schon nach der Hälfte der Strecke erkannt, dass wir den falschen Weg eingeschlagen haben, auch das gehört dazu. Letztlich finden wir aber – mit Kreativität und Ideenreichtum - immer eine Lösung.

Was waren die Highlights in Ihrem bisherigen Berufsleben?

Das Highlight war in jedem Fall, als die BAM vor einigen Jahren entschieden hat, die zentralen Werkstätten zu unterstützen, weil wir als wissenschaftliche Einrichtung eine Fertigung wissenschaftlicher Geräte, Prototypen, Einzelteile und Werkstoffproben brauchen. Das hieß für uns: Jetzt geben wir richtig Gas, jetzt machen wir unsere "Firma in der Firma" noch professioneller. Damit sind wir heute Vorbild für vergleichbare Institute - mit Blick auf die Maschinentechnologien, aber auch mit Blick auf unser Produktionsplanungssystem. Da können wir uns wirklich auf die Schulter klopfen!

Gibt es etwas, das Sie sich für Ihre Arbeit wünschen?

Mein erster Wunsch wäre, dass uns Promovierende, Studierende oder Praktikantinnen und Praktikanten rechtzeitig einbinden, wenn sie absehbar unsere Unterstützung für ihre Arbeit brauchen. Die jungen Kolleginnen und Kollegen sind ja nur eine befristete Zeit in der BAM und kommen oftmals erst, wenn es für die Umsetzung ihrer Ideen zu spät ist. Das ist schade, denn in ihren Ausarbeitungen stecken häufig Potenzial und Ideenreichtum! Und für die Fertigung wünsche ich mir, dass wir die technische Weiterentwicklung fortführen können. Das Level zu halten reicht nicht, weil die Materialanforderungen und die Qualität der Aufgaben stetig höher werden.

Hatten Sie mal überlegt den Arbeitsplatz zu wechseln?

Ich hatte nicht den Drang, ein anderes Beschäftigungsfeld zu suchen, und ab einem gewissen Zeitpunkt war klar: Je tiefer ich mich reinhänge, desto mehr kann ich erreichen. Und neue Aufgaben gab und gibt es immer genug. Dazu zählt im Moment zum Beispiel auch, das Wissen an die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiterzugeben, denn die „alten Hasen“ mit ihrem Know-how gehen in den verdienten Ruhestand. Ich komme jedenfalls auch nach rund 30 Jahren morgens noch mit einem Lächeln zur Arbeit. So lange das so ist, ist alles in Ordnung.