Lena Meyer

Lena Meyer, Fachbereich Multimateriale Fertigungsprozesse

Quelle: BAM

Interview Serie "Kurz vorgestellt: Menschen@BAM"
Lena Meyer, Fachbereich Multimateriale Fertigungsprozesse

Lena, erzähl uns ein bisschen was über dich. Was hast du in "deinem Leben vor der BAM" gemacht bzw. wie bist du zur BAM gekommen?

Ich habe an der Universität Bremen Produktionstechnik und Materialwissenschaften studiert und bin über wissenschaftliche Hilfskraftstellen und Projekte zum 3D-Druck bzw. der additiven Fertigung gekommen. Meine Masterarbeit habe ich am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung im Bereich 3D-Druck von einer Nickel-Legierung für potenzielle Luftfahrtanwendungen geschrieben. Nach meinem Abschluss zog es mich für eine Zeit ins Ausland und ich habe in Australien im Bereich 3D-Druck für kleine Satelliten gearbeitet. In einem Projekt haben wir ein Bauteil aus zwei Metallen und mit zwei verschiedenen 3D-Druck Verfahren entwickelt, um die Anforderungen für die Anwendung auf dem Satelliten abzudecken. Seit März 2021 fliegt dieses Bauteil im Weltraum und spannend war, dass ich bei dieser Mission auch den Bereich Flight Operations - also die Steuerung der Satelliten - kennengelernt habe. Nach drei Jahren „Down Under“ war es Zeit wieder nach Deutschland zurückzukehren und als ich die Stellenausschreibung an der BAM sah, hat das einfach super gepasst. Das Thema war 3D-Druck unter Schwerelosigkeit für Anwendungen im Weltraum und da wollte ich mich unbedingt bewerben.

Was hat dich dazu inspiriert, eine Karriere in der Wissenschaft zu verfolgen?

Eine Karriere in der Wissenschaft habe ich nicht speziell angestrebt. Die Projekte, an denen in arbeite, haben mich immer fasziniert und da bin ich in den letzten Jahren viel in der Forschung und Technologieentwicklung unterwegs. Es ist sehr interessant, sich mit neuen Technologien zu beschäftigen und den technologischen, internationalen und kulturellen Austausch im Bereich der Forschung zu erleben.

Was ist dein Forschungsschwerpunkt und was fasziniert dich daran besonders?

Wir entwickeln einen 3D-Druckprozess, der pulverartige Materialien in Schwerelosigkeit verarbeiten kann. Ohne Gravitation würden die Partikel einfach durch den Raum schweben. Unser Prozess verhindert dies durch den Einsatz eines Gasflusses, durch den wiederum eine zusätzliche Kraft in ähnlicher Richtung wie die Schwerkraft wirkt. Dadurch werden die Pulverpartikel stabilisiert und können verarbeitet werden. Es gibt viele Parameter und Phänomene, die in diesem Bereich erforscht und bewertet werden müssen. Besonders spannend ist, dass wir den Prozess auch in Schwerelosigkeit bei Parabelflugkampagnen testen – wo wir dann selbst für eine Zeit schwerelos sind.

Wie fühlt sich Schwerelosigkeit an?

Auf einem Parabelflug ist es anders, als wir es von Erzählungen von der ISS kennen. Wir sind mehrmals aber immer nur für ca. 20 – 25 Sekunden schwerelos und sowohl davor als auch danach für ca. 20 Sekunden in „hyper gravity“: da wirkt dann 2g, also die doppelte Schwerkraft. Das ist anstrengend, aber die Phasen der Schwerelosigkeit sind sehr cool, man fühlt sich leicht und kleine Bewegungen reichen, um durch die Gegend zu schweben. Der spannendste Teil für unser Experiment ist natürlich auch während dieser Phase, da wir bei „zero gravity“ unsere Pulverschicht mit dem 3D-Drucker auftragen.

Du durftest mit deinem Team in diesem Jahr auf der International Conference on Advanced Manufacturing for Air, Space and Land Transportation (ICAM22) eure Forschungsergebnisse vorstellen. Was ist das für eine Konferenz und was habt ihr vorgestellt?

Die Konferenz wurde von der NASA und ESA organisiert und hat die Raumfahrt mit Themen wie Materialwissenschaften, Fertigungstechnologien und Digitalisierung für den wissenschaftlichen und technischen Austausch zusammengebracht. Dabei ging es auch um Strategien für die Produktion von Komponenten auf Raumfahrtmissionen oder auf dem Mond. Wir von der BAM haben dort die Entwicklungsschritte und neuesten Ergebnisse unseres 3D-Druck Prozesses für metallische Pulver in Schwerelosigkeitsanwendungen präsentiert.

Was ist als nächstes geplant?

Wir werden die Ergebnisse vom diesjährigen Parabelflug weiter analysieren und davon die nächsten Schritte ableiten. Zusätzlich soll unser Prozess langfristig in längeren Zeiten von Schwerelosigkeit funktionieren. Dazu eignen sich im nächsten Schritt sogenannte Höhenforschungsraketen, die ca. 260 km Höhe erreichen und erst nach mehr als 6 Minuten in Schwerelosigkeit wieder in die Erdatmosphäre eintreten. Erste Versuche haben wir mit dem DLR Institut für Materialphysik im Weltraum aus Köln schon durchgeführt. Durch Experimente auf den Raketen kann der Prozess weiter für die langfristige Anwendung im Weltraum angepasst werden.

Was machst du, wenn du nicht gerade forschst?

Nach 3 Jahren in Australien genieße ich es, Freunde wieder zu treffen und viel Zeit mit der Familie zu verbringen. Ich bin außerdem neu in Berlin, da gibt es viel zu entdecken wie z.B. die vielen verschiedenen Schwimmbäder und auf Fahrradtouren entlang des Mauerwegs und im Berliner Umland.

Wenn du deine Arbeit an der BAM in einem Wort oder Satz beschreiben müsstest – wie würde es/er lauten?

Schwerelos