Gizeh Pyramiden

Beispielhaft für das TWINNING-Projekt stehen die Gizeh Pyramiden in Ägypten

Quelle: BAM, Referat Internationaler Technologietransfer

Es ist durchaus als Sinnbild zu verstehen, wenn die Europäische Union eines ihrer wichtigsten Außenhilfe-Instrumente „TWINNING“ nennt. In TWINNING-Projekten unterstützt die Verwaltung eines EU-Mitglieds den Aufbau der entsprechenden Partnerinstitution in einem unmittelbaren Nachbarstaat. Die „Zwillinge“ sollen dabei von Anfang an gute nachbarschaftliche Beziehungen pflegen – gleichermaßen zum gemeinsamen und jeweils eigenen Nutzen. Dadurch sollen neue Formen der Zusammenarbeit entstehen.

BAM unterstützt Akkreditierungsstelle in Ägypten

Wie im aktuellen Beispiel zwischen Deutschland und Ägypten: Nach Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist Ägypten mit mehr als 80 Millionen Verbrauchern einer der wichtigsten Absatzmärkte der MENA-Region (Middle East & North Africa) und der drittwichtigste Handelspartner Deutschlands in der arabischen Welt. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) hatte die BAM daher die Leitung einer deutsch-italienischen Verwaltungspartnerschaft mit der ägyptischen Akkreditierungsstelle Egyptian Accreditation Council (EGAC) übernommen. Das Projekt konnte Ende Januar 2017 erfolgreich abgeschlossen werden.

Inhaltlich hat das Projekt erheblich zur weiteren Qualifizierung der ägyptischen Akkreditierungsstelle beigetragen. Die EU-Vertretung lobte das Projektmanagement und sprach von einem der besten bisher erfolgten TWINNING-Projekte. Dies sei vor allem dem engagierten Projektteam bei der BAM zu verdanken. Neben der BAM waren als weitere Partner die Deutsche Akkreditierungsstelle GmbH (DAkkS), die italienische Akkreditierungsstelle ACCREDIA, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die TÜV Rheinland Consulting GmbH an dem Projekt beteiligt.

Konferenzteilnehmer und Projektleiter des TWINNING-Projektes Ägypten

Links: Teilnehmer der Abschlusskonferenz zum TWINNING-Projekt; rechts: die Projektleiter Dr. Norbert Schultes (BMWi) und Hany El Desouki (EGAC)

Quelle: BAM, Referat Internationaler Technologietransfer

21 Monate, 90 Maßnahmen, ein Ziel: Die gegenseitige Anerkennung

Für die ägyptischen Partner besitzt das Projekt hohe politische Priorität, da es unmittelbar die Unterzeichnung eines Handelsabkommens zwischen Ägypten und der EU unterstützt. Der Weg führt dabei über die gegenseitige Anerkennung der nationalen Akkreditierungsstellen – der Behörde in jedem EU-Land, die die Kompetenz von Konformitätsbewertungsstellen prüft und überwacht. Nur wenn die Arbeitsweise der ägyptischen EGAC in vergleichbarer Weise organisiert ist, wie in den europäischen Akkreditierungsstellen, werden auch die Prüfungen der ägyptischen Laboratorien als gleichwertig anerkannt.

Und hier setzen die Aktivitäten des TWINNING-Projektes an: Über zwanzig Expertinnen und Experten aus deutschen und italienischen Behörden im Bereich Qualitätsinfrastruktur führten in der Projektlaufzeit von zwei Jahren ca. 90 verschiedene Maßnahmen wie Beratungen, Trainings, Seminare und Konferenzen durch. Zu diesem „Capacity Building“, also dem Aufbau und der Stärkung von personellen Kompetenzen sowie technischer und administrativer Infrastruktur, gehörten auch Studienbesuche der ägyptischen Partner in den beteiligten europäischen Institutionen.

TWINNING macht Märkte

Deutschland hat sich bislang in gut 750 TWINNING-Projekten engagiert, die BAM war in den vergangenen 15 Jahren immerhin an 19 davon beteiligt. Dabei ist eine Menge Erfahrung und ein über die Grenzen Europas hinausgehendes Netzwerk entstanden.