02.04.2019

Präsentation der Initiative BAMStartup Slingshot auf der Hannover Messe 2018

Wie die BAM Start-ups unterstützt, zeigten Hagen Saxowski, Leiter des Servicebereichs Forschung, und Dominik Sarma vom Start-up Belyntic auf der Hannover Messe 2018.

Quelle: BAM

Die BAM ist ein Ort der Spitzenforschung in den Schlüsseltechnologien Materialwissenschaft, Werkstofftechnik und Chemie. Viele Ideen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Labors entwickeln, könnten sich auch in der freien Wirtschaft durchsetzen. Doch auf dem Weg in die Selbstständigkeit lauern viele Hindernisse. Die Gründungsinitiative BAMStartup Slingshot hilft den Firmengründerinnen und -gründern bei der Verwirklichung ihrer Träume.

Die Gespräche im Büro von Hagen Saxowski drehen sich immer um die Zukunft. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten von ihren Ideen, mit denen sie den Weg in die Selbstständigkeit planen. "Die Forschung an der BAM ist häufig stark anwendungsorientiert; da ist es kein Wunder, wenn der Wunsch entsteht, mit innovativen Produkten eine eigene Existenz zu gründen", erklärt der Leiter des Servicebereichs Forschung. Die Gründungsinitiative BAMStartup Slingshot soll die Firmengründerinnen und -gründer vor dem Scheitern an den ersten Hürden bewahren. Denn die wissenschaftliche Arbeit im Labor und der Alltag als Unternehmerinnen und Unternehmer unterscheiden sich stark voneinander. Deshalb benötigen die zukünftigen Firmenchefinnen und -chefs professionelle Hilfestellung bei der Umsetzung ihrer Pläne.

Der Begriff Slingshot stammt aus der Raumfahrt und verkörpert das Beratungsprinzip der Initiative. Er bezeichnet ein Beschleunigungsmanöver, bei dem ein kleines Objekt, beispielsweise eine Raumsonde, dicht an einem Planeten vorbeifliegt und dabei durch die Gravitationskraft des größeren Körpers auf dem Weg zum Ziel stark an Geschwindigkeit gewinnt. In der Raumfahrt finden diese Manöver häufig bei weiten Reisen durch den Weltraum Anwendung, weil sie Kosten und Treibstoff für die Raumsonde sparen. "Wir wollen für unsere Start-ups einen ähnlichen Effekt erzielen, denn unsere Forschungsleistungen sollen möglichst schnell Wirtschaft und Gesellschaft zur Verfügung stehen", sagt Saxowski. "Eine Unternehmungsgründung ist eine sehr bewährte Form des Technologietransfers."

Grafik der BAMStartup Slingshot Services

Quelle: BAM

Jedes Start-up benötigt individuelle Hilfe

"Die Anfragen nach Unterstützung kommen oft aus dem Umfeld der wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen oder durch Hinweise der Fachbereichsleitungen", erklärt Saxowski. Seine Aufgabe ist es aber nicht, die Qualität der Gründungsideen zu bewerten. Er konzentriert sich auf die Umsetzung, die oft Jahre dauert. "Die Gründungsteams haben, bevor sie zu uns kommen, meistens schon mit ihren Fachkolleginnen und -kollegen ausführlich diskutiert, ob ihr Thema marktfähig sein könnte", berichtet Saxowski aus seiner Erfahrung.

Zu Beginn der Beratung durch das Slingshot-Team ist die aussichtsreiche Grundidee wichtiger als ein fertiger Businessplan. "Wir erörtern zunächst die Möglichkeiten und suchen den sinnvollsten Weg für die Gründung", sagt Saxowski. Eine Option ist dabei die Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten über Stiftungen oder Förderprogramme. "Wir arbeiten beispielsweise mit EXIST zusammen, einem Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das speziell auf technologieorientierte und wissensbasierte Unternehmensgründungen zugeschnitten ist", so der Gründungsunterstützer Saxowski. In mehreren Gesprächen klären Beraterinnen und Berater mit dem Gründungsteam, welches Förderinstrument für das Vorhaben passt und wie die Antragstellung funktioniert. "Dabei gibt es keine fertigen Schubladen, jede Gründung hat ihre eigenen Ausprägungen", erläutert Saxowski. "Solche Einzelfälle in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess zu begleiten, das ist unsere Stärke." Bis der Businessplan endlich steht, geht es häufig um ganz praktische Probleme: Unter welchen Bedingungen kann die BAM bei der Laborausstattung oder beim Einsatz wissenschaftlicher Geräte helfen? Die BAM bietet auch die Nutzung von Geräteausstattung und Laborräume, die für die Start-ups oft nur schwer zu finden sind.

Anderen Beratungsstellen fehlt Spezialwissen

Die Vielfalt der wissenschaftlichen Arbeit der BAM spiegelt sich auch in den Ausgründungen wieder, die vom Slingshot-Team betreut werden. Das Spektrum reicht von neuartigen Herstellungswegen für 3D-Keramiken, über die Überwachung von Bauwerken mit Sensoren bis hin zur Reinigung von Peptiden, die für die Pharmabranche interessant sind. Den klassischen Beratungsstellen für Existenzgründungen mangelt es am Spezialwissen über Qualitätsmanagement- und Sicherheitssysteme. "Uns war klar, dass wir diese Lücke schließen müssen", sagt Saxowski.

Die Hürden in der Chemie und den Materialwissenschaften sind für Gründerinnen und Gründer in diesem Punkt besonders hoch. Neben den üblichen Fragestellungen wie der passenden Rechtsform des Unternehmens, der Erstellung eines Businessplans oder der Kundenakquise kommen nämlich Aspekte wie Qualitätsmanagement, Arbeitssicherheit, Gefährdungsbeurteilungen und der Umgang mit Chemikalien hinzu. Berücksichtigt werden müssen auch Patente, Prüfungen, Zulassungen, Lizenzen und technische Regeln. "Die BAM besitzt in diesem Feld eine Beratungsexpertise, die es bei anderen Einrichtungen so nicht gibt", sagt Saxowski.

Zur Existenzgründung motivieren

Bei ihrer Präsentation auf der Hannover-Messe 2018 hatte die Initiative BAMStartup Slingshot einen Gast an ihrer Seite, dessen Wurzeln in der BAM und in der Berliner Humboldt-Universität liegen: Belyntic. Das Unternehmen hat sich auf die Reinigung von Peptiden spezialisiert und bereits mehrere Gründerpreise gewonnen. Die BAM steht den jungen Unternehmen auch in dieser Phase noch zur Seite, denn: "Wir lernen auch durch die Begleitung der Ausgründungen dazu und wenden dieses Wissen für die nächsten Projekte an", sagt Saxowski. Die Beratung müsse eine wechselseitige Beziehung sein und für beide einen Mehrwert schaffen.

Doch das Förderteam für Unternehmensgründung wartet nicht ab, bis potenzielle Gründungsteams nach Beratung fragen. "Wir wollen mit Informationsveranstaltungen zu einem frühen Zeitpunkt für das Thema Existenzgründung sensibilisieren", erläutert Saxowski. Deshalb stellt die Initiative BAMStartup Slingshot ihre Aktivitäten regelmäßig den Doktorandinnen und Doktoranden der BAM vor. "In manchen Gesprächen merken wir, dass wir Gründungsideen anregen, die vorher nicht so präsent waren", erzählt Saxowski. Im besten Fall beginnt damit ein weiteres "Slingshot-Manöver, bei dem ein junges Gründungsteam sich auf den Weg in die Selbstständigkeit macht und von der Beschleunigung durch die BAM profitiert.