Eine Pinzette greift Mikroplastik, das in Wasser schwimmt.

Mikroplastik im Wasser: Funde dieser Partikel gibt es inzwischen weltweit.

Quelle: BAM

270 Millionen Tonnen Plastikabfälle treiben in den Weltmeeren, jedes Jahr kommen nach Schätzungen weitere 6 bis 12 Millionen Tonnen dazu. Tüten, Flaschen oder Fischernetze fallen vielerorts bereits mit bloßem Auge auf. Dieser Plastikabfall wird jedoch durch Sonne, Gezeiten oder Wind zerkleinert und führt zu einem weniger sichtbaren Umweltproblem: Mikroplastik.

Funde dieser winzigen, unter 5 Millimeter kleinen Kunststoffpartikel gibt es inzwischen weltweit. Viele Menschen befürchten, dass Mikroplastik in die Nahrungskette gelangt, Meerestieren schadet oder sich Schadstoffe an den Partikeln ansammeln. Doch die Datenlage, wie viel Mikroplastik in der Umwelt ist, woher es stammt und wie genau es entsteht, hat Lücken.

Am Schließen dieser Lücke arbeitet ein interdisziplinäres Expertenteam der BAM unter der Leitung von Dr. Ulrike Braun aus dem Fachbereich Mechanik der Polymerwerkstoffe. Fachleute zur Alterung von Kunststoffen, Schadstoff-Spurenanalytik und Probenaufbereitung erforschen das Thema Mikroplastik gemeinsam.

„Neues und schnelles Messverfahren für eine große Menge Proben“

Aktuell entwickelt die BAM eine neue und bisher einzigartige Methode zur Messung von Mikroplastik in der Umwelt. Das Besondere daran ist, dass dazu die Zersetzungsprodukte von Mikroplastik genutzt werden. Umweltproben, beispielsweise aus gefiltertem Wasser, werden erhitzt und die entstehenden Gase analysiert. So lassen sich Menge und Art des darin enthaltenen Mikroplastiks bestimmen.

 „Wir gehen davon aus, dass dieses Vorgehen schneller ist als herkömmliche Untersuchungen mit Mikroskopen und Spektroskopie“, sagt Dr. Ulrike Braun. „Die Methode soll automatisierbar sein und große Mengen an Proben verarbeiten können.“ Die schnelle Analyse von umfangreichen Proben ist angesichts der weltweiten Verteilung von Mikroplastik im Wasser ein wichtiger Faktor. Zum Testen und Optimieren nutzen die Wissenschaftler eigens bei der BAM hergestellte Modell-Mikroplastik-Partikel in definierten Umweltproben aus verschiedenen Kunststoffen und vergleichen diese mit realen Proben aus der Umwelt.

Mehr Wissen, um Mikroplastik zu vermeiden

„Mehr Wissen über Entstehung und Verbreitung von Mikroplastik ermöglicht dem Gesetzgeber zum Beispiel eine bessere Risikobewertung, einen Grenzwert für Mikroplastik abzuleiten oder die Tests und die Probenentnahme zu standardisieren“, beschreibt Dr. Braun die Ziele der BAM. „Indem so die Frage nach der Herkunft von Mikroplastik beantwortet wird, können Politik und Gesellschaft in einem nächsten Schritt Vermeidungsstrategien entwickeln.“