Dr. Holger Völzke (stehend) und Dr. Linan Qiao begutachten die Simulation eines Behälters für hochradioaktiven Abfall.

Dr. Holger Völzke und Dr. Linan Qiao begutachten an einem Computer-Bildschirm die Simulation eines Behälters für hochradioaktiven Abfall.

Quelle: BAM

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima im März 2011 beschloss die Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie bis zum Jahr 2022. Da es in Deutschland jedoch noch kein Endlager für hochradioaktiven oder Wärme entwickelnden Abfall gibt, ist die sichere Zwischenlagerung außerordentlich wichtig. Wissenschaftler, Ingenieure und Techniker der BAM sorgen als Gutachter und Berater für sichere Transport- und Lagerbehälter.

Derzeit sind ausgediente, bestrahlte Brennelemente und andere Nuklearabfälle in insgesamt 16 Zwischenlagern an den Kernkraftwerken sowie in Gorleben und Ahaus untergebracht. Dort stehen bereits über 1000 Transport- und Lagerbehälter, überwiegend der Bauart CASTOR®. Insgesamt werden es rund 1900 Behälter sein, bis das letzte Kernkraftwerk vom Netz gegangen und die Rücknahme aus der Wiederaufbereitung in England und Frankreich abgeschlossen sein wird.

Höchste Sicherheit bei Transport und Lagerung

Lagerung und Transport sind in verschiedenen Rechtsbereichen geregelt, auch wenn es sich um die gleichen Behälter mit nur wenigen Ausstattungsunterschieden handelt. Die BAM wird vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), der obersten Genehmigungsbehörde, als Sachverständige für alle Fragestellungen rund um die Lagerbehälter hinzugezogen. Bei Transportbehältern erfüllt die BAM im verkehrsrechtlichen Zulassungsverfahren hoheitliche Aufgaben und nimmt jeden Behältertyp sicherheitstechnisch ab.

BAM Fachleute entwickeln, verbessern und validieren außerdem laufend die Analyseverfahren und Bewertungsmethoden. Zudem begutachten sie die Qualitätssicherung für Herstellung und Betrieb von Behältern. Dazu bündelt die BAM ihre langjährige Erfahrung mit unterschiedlichen Werkstoffen im Bereich Behälter sowie zu Gefahrgutumschließungen.

Ein Behälter für radioaktive Stoffe: Die BAM sorgt für höchste Sicherheit bei Transport und Lagerung.

Ein Behälter für radioaktive Stoffe: Die BAM sorgt für höchste Sicherheit bei Transport und Lagerung.

Quelle: BAM

Sicherheit über die genehmigten 40 Jahre hinaus

Eine besondere Herausforderung der Zwischenlagerung: Der Betrieb der Behälter ist für 40 Jahre genehmigt. „Dies war in erster Linie eine politische und keine technische Vorgabe“, sagt Dr. Holger Völzke. Er ist Leiter der BAM Fachbereiche Sicherheit von Transportbehältern und Sicherheit von Lagerbehältern sowie Mitglied im Ausschuss AZ (Abfallkonditionierung, Transporte und Zwischenlagerung) der Entsorgungskommission (ESK), die das Bundesumweltministerium berät. Weil es in absehbarer Zeit weiterhin kein Endlager geben wird, müssen die Behälter aber voraussichtlich länger zwischengelagert werden. Dazu sind weitere Genehmigungsverfahren und zusätzliche Sicherheitsnachweise erforderlich, mit denen die erweiterte Langzeitbeständigkeit aller Werkstoffe und Bauteile nachzuweisen ist.

Bereits jetzt führt die BAM dazu Voruntersuchungen durch. Etwa zu Deckeldichtsystemen und entsprechenden Metalldichtungen, die den sicheren Einschluss des radioaktiven Inhalts garantieren. Damit erfüllt die BAM nicht nur ihre Aufgaben in den Genehmigungs- und Zulassungsverfahren, sondern arbeitet schon jetzt an sicheren Lösungen über den 40-Jahres-Horizont hinaus.