13.08.2019

Luftaufnahme eines Teils des BAM Testgeländes Technische Sicherheit (TTS)

Das BAM Testgeländes Technische Sicherheit (TTS) erstreckt sich über 12 Quadratkilometer.

Quelle: BAM

Unsere Arbeit auf dem Testgelände Technische Sicherheit (TTS)

Die BAM prüft, forscht und berät als wissenschaftlich-technische Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Stammsitz der BAM ist Berlin, im brandenburgischen Horstwalde unterhält sie seit Anfang der 1990er Jahre das Testgelände Technische Sicherheit (TTS).

Wenn Laborversuche oder Modellrechnungen nicht ausreichen, um Risiken von gefährlichen Stoffen zu ermitteln, werden auf dem TTS Großversuche im 1:1-Maßstab durchgeführt. Maßstabsgetreue Versuche sind beispielsweise auch dann notwendig, wenn die BAM als Bundesoberbehörde Aufgaben im Bereich Gefahrgutrecht und Sprengstoffgesetz wahrnimmt.

Einige Beispiele unserer Arbeit auf dem TTS:

Geldautomaten sicherer machen

Sie kommen meist nachts, leiten Gas in Geldautomaten und sprengen diese, um Bargeld zu erbeuten. Der so entstandene Schaden ist hoch. An der BAM wird getestet, ob die Geldautomaten Explosionen gewachsen und die eingebauten Schutzsysteme ausreichend sind. Dazu werden auf dem Testgelände Explosionsversuche mit verschiedenen Typen von Geldautomaten und mit Sicherheitssystemen durchgeführt. Bei den Tests werden auch Gasgemische eingesetzt, die von Tätern verwendet werden. Die Daten aus den Versuchen werden genutzt, um die Explosionsfestigkeit zu steigern und das Öffnen der Wertschutzbehälter durch Kriminelle zu verhindern.

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Sichere Brücken - überwacht mit Sensoren

Ein Großteil der rund 39.000 deutschen Fernstraßenbrücken wurde in den 1960er bis 1980er Jahren gebaut. Das Verkehrsaufkommen hat sich seitdem fast verdoppelt. Viele Bauwerke gelten als marode und sanierungsbedürftig. Innerhalb der Forschung zur Bauwerkssicherheit sind Brücken als wichtiger Bestandteil im Straßennetz daher von großem Interesse. Wie wirken verschiedene Kräfte und Schwingungen an den einzelnen Stellen einer Brücke? Mit welcher Geschwindigkeit vergrößern sich Risse in der Betonwand? Antworten auf diese Fragen helfen, den Reparaturbedarf zu bestimmen und frühzeitig Prognosen über Alterungsprozesse zu ermitteln. Das wiederum ist hilfreich, um zukünftig Schäden zu vermeiden und die Reparaturkosten zu senken.

Auf dem Testgelände arbeitet die BAM an einer eigens konstruierten Testbrücke an verschiedenen Möglichkeiten der zerstörungsfreien Prüfung - von Ultraschallwellen bis zu Faseroptischen Sensoren. Dabei sollen nicht nur Messverfahren für einen möglichen Einsatz bei der Bewertung der Sicherheit von Bauwerken erforscht, sondern auch Computermodelle entwickeln werden, die zuverlässige Voraussagen für die Zukunft erlauben.

Horstwalde ist übrigens nicht der einzige Ort, an dem die BAM-Sensoren zum Einsatz kommen. In Berlin wird seit mehr als 20 Jahren eine der meistbefahrenen Autobahnbrücken Deutschlands als Teil der A100 messtechnisch mit BAM-Technologie überwacht.

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Gefahrguttanks und Endlagerbehälter auf Belastbarkeit prüfen

Etwa 300 Millionen Tonnen Gefahrgüter werden jedes Jahr nach Angaben des statistischen Bundesamts durch Deutschland transportiert. Knapp die Hälfte davon ist mit dem LKW unterwegs. Die Forschung der BAM spielt eine wichtige Rolle für die Sicherheit dieser Transporte. In einem internationalen Projekt erkundet die BAM, welchen Belastungen die Gefahrguttanks bei einem Unfall ausgesetzt sein können und hat dafür einen weltweit einzigartigen Versuchsstand entwickelt. Damit kann untersucht werden, wie sich ein Tank bei extremen Belastungen verhält, etwa wenn er einem Feuer ausgesetzt ist. Ziel ist, zu verstehen, was in den Behältern bei einem solchen Unfall passiert und sie dadurch noch sicherer zu machen.

Die BAM prüft auf dem Testgelände aber auch die sicherheitstechnische Eignung von Behältern für die Endlagerung radioaktiver Abfälle. Dazu werden Testbehälter, die mit diversen Sensoren ausgestattet sind, aus bis zu 5 Metern Höhe von einem Fallturm "fallen" gelassen. Hochgeschwindigkeits-Kameras und andere Messgeräte am Boden dokumentieren Fall und Aufprall auf das Fundament der Fallversuchsanlage. So lässt sich messen, welche Beanspruchungen aus einem Sturz resultieren und welche Schäden der Container möglicherweise davonträgt. Die BAM untersucht aber nicht nur mechanische Einflüsse auf die Behälter. Sie analysiert auch mögliche Auswirkungen von Bränden und Explosionen sowie von Korrosion im Hinblick auf die Behältersicherheit.

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Untersuchung von Unfallszenarien mit Gastank-Fahrzeugen

Angesichts sinkender Erdölvorkommen und zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele gewinnt Liquefied Natural Gas (LNG) als umweltfreundlicher Kraftstoff insbesondere für schwere Nutzfahrzeuge zunehmend an Bedeutung. Ein erhöhter Einsatz von LNG im Straßenverkehr ist jedoch mit bislang unerforschten Risiken verbunden. Die BAM untersucht dazu auf dem Testgelände u.a. Unfallszenarien mit LNG in Tunneln. Dazu wurde extra eine Tunnel-Testanlage im Realmaßstab aufgebaut. Diese ermöglicht es, verschiedene Szenarien zur Gasausbreitung zu untersuchen und mögliche Folgen, wie einen Brand oder eine Explosion, weitergehend zu erforschen. Ziel ist es, aus den Forschungsergebnissen Handlungsempfehlungen in Bezug auf LNG abzuleiten, die dann Eingang in internationale Regelwerke finden. So könnten beispielsweise neue Sicherheitsabstände für LNG-Fahrzeuge definiert werden, um die Sicherheit zu erhöhen.

Die BAM untersucht solche Unfall-Szenarien auch, um eine Grundlage für Handlungshilfen bilden, die Feuerwehrleute und Retter bei Unfällen oder Havarien zu Rate ziehen. Damit Einsatzkräfte austretendes Gas auch möglichst aus sicherer Entfernung detektieren können, wird z.B. ein Messsystem zur Bestimmung der Gaskonzentration in ein UAV (Unmanned Aerial Vehicle), auch Drohne genannt, implementiert und unter realitätsnahen Bedingungen getestet. Daraus lassen sich u.a. Sicherheitsabstände für Einsatzkräfte und Passanten anpassen.

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Testszenarien für unbemannte Luftfahrzeugsysteme (UAS)

Die BAM untersucht zudem grundlegend UAS-basierte Messverfahren hinsichtlich Qualifizierung, Charakterisierung und Validierung. Im Fokus stehen dabei Robotik, Gassensorik, Systemintegration und Datenanalyse. Das TTS bietet dafür exzellente Versuchsmöglichkeiten, z.B. mit dem Testfeld für verteilte Gassensorik: Ein oberflächennahes Gasinjektionssystem simuliert Gasemissionen aus Böden, wie sie z.B. bei Mülldeponien und Untergrundgasspeichern auftreten können. In einem weiteren Szenario können UAS-Systeme zur Detektion und Bestimmung von Gasleckagen an Rohrleitungen und Druckbehältern untersucht werden. Auch UAS-basierte Messverfahren zur optischen Bauwerksprüfung an realen Prüfkörpern mit definierter Schädigung (z.B. Riss) können charakterisiert und validiert werden.

Mehr Informationen finden Sie im Flyer szenarienbasiertes Testzentrum für UAS (BAM TUAS)

Prüfen von Feuerwerk, Airbags und anderer Pyrotechnik

Die BAM prüft ist eine der benannten Stellen in der EU, die pyrotechnische Gegenstände, bevor sie auf dem Markt bereitgestellt werden dürfen, auf Sicherheit gemäß den Bestimmungen der geltenden Richtlinie 2013/29/EU prüft. Die Prüfung erfolgt in der Regel unter Anwendung von (harmonisierten) Normen, die produktspezifische Kriterien festlegen. Hierbei gilt es insbesondere zu prüfen, ob konstruktive und funktionstechnische Anforderungen erfüllt sind.

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