Brandexperten aus der BAM führen experimentelle Untersuchungen zur Brandausbreitung in Bussen durch

Brandexperten aus der BAM führen experimentelle Untersuchungen zur Brandausbreitung in Bussen durch

Quelle: BAM

Wie kann sich ein Bus so leicht entzünden?

Hauptursache für Busbrände sind Brände im Motorraum, die auf den Fahrgastbereich übergreifen können. Brände, die im Fahrgastraum selbst entstehen, z.B. durch elektrische Defekte, sind wesentlich seltener, können aber sehr schnell den gesamten Fahrgastraum erfassen. Die Hauptbrandlast in Busbränden ist oft nicht der mitgeführte Brennstoff, sondern die Kunststoffe im Bus (Wand- und Deckenverkleidungen, Sitze).

Materialien in Bussen unterliegen geringeren Anforderungen an die Brandsicherheit verglichen mit den Vorschriften anderer Transportbereiche (Schienenverkehr, Schifffahrt und Luftfahrt). So werden oft Kunststoffe verbaut, die leicht entflammbar sind.

Seit wann forscht die BAM zum Thema Brandsicherheit von Bussen?

Die Bundesanstalt für Straßenwesen initiierte von 2009 bis 2014 mehrere große Forschungsprojekte zum Thema. In der Folge führte die BAM unter der Leitung von Frau Dr. Anja Hofmann-Böllinghaus zusammen mit dem schwedischen Forschungsinstitut RISE (früher: SP) experimentelle Untersuchungen sowie numerische Berechnungen durch.

Was waren die Ergebnisse der Forschung?

Die Forschung hat ergeben, dass die Hauptbrandlast in Busbränden oft nicht der mitgeführte Brennstoff ist, sondern die Kunststoffe im Bus, die leicht entflammbar sind.

Brandsicherheit von Bussen verbessern: Simulation zum Busbrand 2008

Brandsicherheit von Bussen verbessern: Simulation zum Busbrand 2008 (Youtube Video öffnet im neuen Fenster)

Quelle: BAM

Die BAM hat Empfehlungen zur Verbesserung der Brandsicherheit in Bussen erarbeitet, u.a. Rauchmelder in den vom Fahrer nicht einsehbaren Bereichen, Tests für vertikal-verbaute Materialien (z. B. Wandbekleidung, Jalousien, Vorhänge) und Motorlöschanlagen. Diese wurden in den letzten Jahren in die europäischen Regelwerke für die Brandsicherheit von Bussen aufgenommen.

2008 gab es schon einmal einen schweren Busbrand mit Toten. Was hat sich bisher an der Sicherheit geändert?

Rund 80 Prozent der Brände in Bussen entstehen im Motorraum. Darauf wurde durch die Einführung von Motorlöschanlagen auch reagiert.

Für weitere Regelungen wäre der Gesetzgeber gefragt.

Wo sind die Unterschiede in den Sicherheitsstandards zwischen Bus und Bahn?

Die Sicherheitsstandards gehen zurück auf die 60er Jahre. Die Materialien in Bussen und Bahnen haben sich in den letzten Jahrzehnten stark geändert: Es werden leichtere Materialien verbaut, die gleichzeitig auch schneller entflammbar sind. Darauf hat die Bahn reagiert und die Sicherheitsstandards gerade was die Fahrgastsitze betrifft angepasst. Dadurch ist der Unterschied der Sicherheitsanforderungen zwischen Bus und Bahn relativ groß geworden.

Beispielsweise werden sehr wenige Materialien für die Verwendung im Bus ausgeschlossen, da für die Prüfung kleine Zündquellen verwendet werden, die einem Streichholz oder einem Feuerzeug entsprechen. Es wird die Entflammbarkeit der Materialien in horizontaler Anordnung geprüft. Bei der Bahn wird auch die Rauch- und Wärmefreisetzung begrenzt und es werden Zündquellen verwendet, die über eine Streichholzflamme hinausgehen.

Braucht man auch für Busse weitergehende Regelungen?

Im Rahmen des BAM-Forschungsprojekts wurde empfohlen, die Sicherheitsstandards von Bussen an die der Bahn anzupassen.