02.07.2019

Typische Mauerziegel aus Lehm

Typische Mauerziegel aus Lehm

Quelle: BAM, Fachbereich Ingenieurbau

Ein neues Projekt der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) erforscht die Nutzung von Lehmmauerwerk für den nachhaltigen Wohnungsbau. Ziel der Forschung ist es, das Tragverhalten von Lehmmauerwerk im Hinblick auf Versagensmechanismen zu untersuchen, um eine Bemessung nach der allgemeingültigen Mauerwerksnorm DIN EN 1996/NA zu ermöglichen. Gefördert wird das Vorhaben, an dem auch die Technische Universität Darmstadt und die ZRS Ingenieure GmbH beteiligt sind, fachlich und finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Mit dem stetig steigenden Bedarf an Wohnungen gewinnt das ökologische Bauen mehr und mehr an Bedeutung. Neue Wohnungen und Häuser sollen möglichst ressourcenschonend entstehen. „Gerade Lehm bietet als natürliches Baumaterial zahlreiche Vorteile“, so Dr. Marc Thiele, Projektleiter aus dem Fachbereich Ingenieurbau der BAM. Lehm benötigt mit den geringsten Primärenergiebedarf, ist fast überall verfügbar und kann zu 100 Prozent recycelt werden. Aufgrund seiner hohen Masse bietet er auch sehr gute Schallschutzeigenschaften und ist außerdem nicht brennbar.

Intensive Forschungsarbeit zum Lehmbau – unter anderem an der BAM – hat in Deutschland zur Einführung der Produktnormen für Lehmsteine, Lehmmauermörtel und Lehmputze im Jahr 2013 und für Lehmplatten im Jahr 2018 geführt. Im Bereich der Lehmputze ist es bereits gelungen, Lehmputz in die allgemeine Anwendungsnorm für Putzmörtel zu integrieren. Selbiges gilt es für Lehmsteine und Lehmmauermörtel zu erreichen, um eine Breitenanwendung von Lehmmauerwerk auf Grundlage allgemeingültiger Bemessungsvorschriften zu ermöglichen.

Ziel des Vorhabens ist es, die bereits umfangreich erarbeiteten Kenntnisse zum Tragverhalten von Lehmmauerwerk so zu erweitern, dass eine vereinfachte Bemessung von Lehmmauerwerk analog zur konventionellen Mauerwerks-Bemessungsnorm DIN EN 1996/NA möglich ist. Vorstudien haben gezeigt, dass Tragverhalten und Tragfähigkeit von Lehmmauerwerk mit konventionellem Mauerwerk vergleichbar sind. So liegen heute am Markt erhältliche, werksmäßig hergestellte Lehmsteine und Mörtel qualitativ im Bereich handelsüblicher, konventioneller Mauersteine und -mörtel.

Im Rahmen des geplanten Vorhabens werden die vorhandenen experimentellen Untersuchungen an den Baumaterialien Stein und Mörtel erweitert und umfangreiche Untersuchungen an Bauelementen durchgeführt. Aufbauend auf den Ergebnissen sollen Baustoffeigenschaften (Festigkeit, Elastizitätsmodul, Verformungseigenschaften) und deren statistischen Kennwerte ermittelt werden, anhand derer das erforderliche Zuverlässigkeitsniveau kalibriert und somit eine Integration in das Sicherheitsformat der aktuellen Mauerwerksnormung erfolgen kann.

Lehmmauerwerkselement bei der statischen Prüfung in der Prüfmaschine mit Messaufnehmern

Lehmmauerwerkselement bei der statischen Prüfung in der Prüfmaschine mit Messaufnehmern

Quelle: BAM, Fachbereich Ingenieurbau

Über die BAM

Die BAM gewährleistet Sicherheit in Technik und Chemie.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die BAM forscht, prüft und berät zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.

Sicherheit macht Märkte.
Die BAM setzt und vertritt für Deutschland und seine globalen Märkte hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie zur Weiterentwicklung der erfolgreichen deutschen Qualitätskultur „Made in Germany“.

Über die DBU

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Kreativität kleiner Unternehmen bei der praktischen Lösung von Umweltproblemen und gibt Anreize für ökologische Innovationen. Sie setzt durch die Förderung umweltfreundlicher Produktionsverfahren auf den vorbeugenden Umweltschutz. Sie unterstützt den Austausch von Wissen über die Umwelt zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Stellen. Bisher wurden über 9.700 modellhafte, umweltentlastende und innovative Projekte mit über 1,76 Milliarden Euro in Umwelttechnik, -forschung, -kommunikation, Natur- und Kulturgüterschutz gefördert. Die DBU Naturerbe GmbH, eine Tochter der DBU, versteht sich als Treuhänderin für das Nationale Naturerbe. Auf ihren 71 Flächen mit insgesamt 70.000 Hektar – größtenteils ehemalige, vom Bund übernommene Militärflächen – will die DBU-Tochter offene Lebensräume mit seltenen Arten durch Pflege bewahren, naturnahe Wälder ohne menschlichen Eingriff zu neuer Wildnis entwickeln, artenarme Forste in naturnahe Wälder überführen und Feuchtbiotope ökologisch aufwerten und erhalten.

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