19.04.2017

Eine Pinzette greift Mikroplastik, das in Wasser schwimmt.

Mikroplastik im Wasser: Funde dieser Partikel gibt es inzwischen weltweit.

Quelle: BAM

Auf der Hannover Messe 2017 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ein neues Verfahren zum Messen winziger Plastikpartikel in der Umwelt. Ein Beispiel für die Forschungsstärke der BAM im Themenfeld Umwelt.

Millionen Tonnen von Plastikabfällen treiben in den Weltmeeren. Tüten, Flaschen oder Fischernetze fallen vielerorts bereits mit bloßem Auge auf. Dieser Plastikabfall wird jedoch durch Einwirkung von Sonne, Gezeiten oder Wind zerkleinert und führt zu einem weniger sichtbaren Umweltproblem: Mikroplastik. Die Kunststoffpartikel sind nur wenige Mikrometer bis ca. 5 Millimeter klein. Doch die Datenlage, wie viel Mikroplastik in der Umwelt ist, woher es stammt und wie genau es entsteht, hat Lücken.

Ein interdisziplinäres Expertenteam der BAM unter der Leitung von Dr. Ulrike Braun aus dem Fachbereich Mechanik der Polymerwerkstoffe arbeitet daran, diese Lücke zu schließen. Die Forscher entwickeln ein neues und schnelleres Messverfahren. Umweltproben, beispielsweise aus gefiltertem Wasser, werden erhitzt und die entstehenden Gase analysiert. Die im Wasser enthaltenen Mikroplastikpartikel bilden spezifische Zersetzungsprodukte, welche identifiziert und quantifiziert werden können. So lassen sich Menge und Art des enthaltenen Mikroplastiks bestimmen.

„Neues und schnelles Messverfahren für eine große Menge Proben“

„Wir gehen davon aus, dass dieses Vorgehen schneller ist als herkömmliche Untersuchungen mit Mikroskopen und Spektroskopie“, sagt BAM-Wissenschaftlerin Ulrike Braun. „Die Methode soll automatisierbar sein und große Mengen an Proben verarbeiten können.“ Die schnelle Analyse von umfangreichen Proben ist angesichts der weltweiten Verteilung von Mikroplastik im Wasser ein wichtiger Faktor.

Die neue Methode ist als deutsche Patentanmeldung eingereicht. Ihre Eignung zum Nachweis von Mikroplastik in komplexen Umweltproben ist in wissenschaftlichen Fachartikeln bereits beschrieben.

Mikroplastik vermeiden

Das BAM-Themenfeldprojekt soll perspektivisch dazu beitragen, die Verbreitung von Mikroplastik in der Umwelt zu verringern: „Mehr Wissen über die Entstehung und Verbreitung von Mikroplastik ermöglicht dem Gesetzgeber zum Beispiel eine bessere Risikobewertung, einen Grenzwert für Mikroplastik abzuleiten oder die Tests und die Probenentnahme zu standardisieren“, sagt BAM-Forscherin Ulrike Braun. „In einem nächsten Schritt können Politik und Gesellschaft Vermeidungsstrategien entwickeln.“

Die BAM auf der Hannover Messe 2017

Am BAM-Stand auf der internationalen Leitmesse Research & Technology, Halle 2, Stand A02, können sich Besucherinnen und Besucher umfassend zum Thema informieren.

Weitere Informationen zum BAM-Auftritt auf der Hannover Messe finden Sie hier.

Über die BAM

Die BAM gewährleistet Sicherheit in Technik und Chemie.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die BAM forscht, prüft und berät zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.

Sicherheit macht Märkte.
Die BAM setzt und vertritt für Deutschland und seine globalen Märkte hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie zur Weiterentwicklung der erfolgreichen deutschen Qualitätskultur „Made in Germany“.