26.09.2014

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Quelle: BAM

Adolf Martens: Pionier der Werkstofftechnik und Schadensanalyse, Konstrukteur von Prüfmaschinen und Leiter der Königlichen Mechanisch-Technischen Versuchsanstalt, aus der später die heutige BAM Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung hervorging. Eine Persönlichkeit, die Prinzipien zur Vorgehensweise der Schadensanalyse aufstellte, die bis heute aktuell geblieben sind.

Der Name Adolf Martens ist auch heute noch in der internationalen Gemeinschaft der Materialwissenschaftler präsent. Zu seinen Ehren wird ein bestimmter Gefügebestandteil in Stählen Martensit genannt. Er entsteht in vielen Stahlsorten bei schneller Abkühlung und führt zur deutlichen Erhöhung ihrer Härte. Zu seinem 100. Todestag erscheint nun ein Sonderheft in der Zeitschrift „Engineering Failure Analysis“, in dem 17 ausgewählte und auch in der Öffentlichkeit bekannt gewordene Schadensuntersuchungen der BAM und ihrer Vorgängerinstitutionen veröffentlicht werden. Ein Team aus 25 Autoren der BAM hat die Schadensfälle wissenschaftlich aufbereitet.

Das Sonderheft beginnt mit einem Beitrag über Original-Untersuchungen von Martens aus dem Jahr 1896. Martens beschäftigte sich mit zahlreichen Methoden der Werkstoffprüfung wie Makrofotografie, Fraktographie, Metallographie und Härtemessung und verbesserte sie entscheidend. Die Methoden der Materialprüfung und Schadensanalyse wurden stetig weiterentwickelt und neue Verfahren der chemischen Analyse und zerstörungsfreien Prüfung kamen hinzu. Doch hat sich die Herangehensweise bei der Schadensanalyse seitdem kaum geändert: Gründliche Vor-Ort-Bestandsaufnahme, eingehende visuell-zerstörungsfreie Anfangsuntersuchung, Entwicklung eines Grundverständnisses für die Betriebsweise und Betriebsgeschichte, Materialprüfungen und Belastungsanalysen sowie Aufstellen einer widerspruchsfreien Hypothese zu den Schadensursachen und -abläufen.

In einem Beitrag wird über den Schaden an der Berliner Freiheitsglocke, ein Geschenk des „Nationalen Amerikanischen Komitees für ein freies Europa“, berichtet. Im Jahr 1966 brach der Hauptbolzen des Klöppels und fiel 5 Meter tief auf das darunterliegende Stockwerk. Auch der teilweise Zusammenbruch des ungewöhnlich geformten Stahlbetondaches der Berliner Kongresshalle 1980 – ebenfalls ein Geschenk der US-Amerikaner – wird in einem weiteren Beitrag wissenschaftlich diskutiert.

In diesem Sonderheft veröffentlichen die Wissenschaftler der BAM zum ersten Mal ihre Ergebnisse zur Schadensanalyse an den zwei Probestücken von der Bugklappe der Ostseefähre MV ESTONIA, deren Untergang sich am 28. September 2014 zum 20sten Mal jährt. Die BAM erhielt die Probestücke im Oktober 2000. Taucher hatten sie kurz zuvor vom Wrack, das noch heute 60 Meter tief auf dem Grund der Ostsee liegt, durch Brennschneiden abgetrennt. Da das Schiff damals bereits sechs Jahre im Meerwasser gelegen hat, war die Metalloberfläche der Proben für schadensanalytische Untersuchungen nicht mehr verwertbar. Die Experten führten deshalb Vergleichsuntersuchungen an Blechen, wie sie von der Werft für den Bau der ESTONIA in den Jahren 1979 bis 1980 verwendet wurden, auf dem BAM Testgelände Technische Sicherheit durch. Nach einer Vielzahl von Untersuchungen kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Deformationsspuren im Gefüge der Probestücke nicht Folge einer vermuteten Explosion, sondern auf die übliche Vorbehandlung der Blechoberflächen durch Kugelstrahlen für den dann anschließenden Farbanstrich zurückzuführen waren.

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Als Ressortforschungseinrichtung des BMWi forscht, prüft und berät die BAM zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.

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