20.02.2019
Dr. Ana Guilherme Buzanich gibt Nachwuchswissenschaftlerinnen einen Einblick in Ihre Forschung

Dr. Ana Guilherme Buzanich (2.v.l.) arbeitet an der BAM im Fachbereich Strukturanalytik und hat im Februar Nachwuchswissenschaftlerinnen einen Einblick in Ihre Forschung an der Beamline bei BESSY gegeben.

Quelle: BAM, Referat Unternehmenskommunikation

Dr. Ana Guilherme Buzanich hat an der Universität Lissabon in Physik promoviert, ist seit 2014 Wissenschaftlerin an der BAM im Fachbereich Strukturanalytik und arbeitet u. a. am Teilchenbeschleuniger (Synchrotron) BESSY II, wo Sie Experimente an zwei Röntgenstrahllinien durchführt (BAMline und μSpot). Zum „Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft“ im Februar bot sie Nachwuchswissenschaftlerinnen einen Einblick in Ihre Forschung. Zuvor war sie in Afrika, wo es ebenfalls um Forschung an einem möglichen Synchrotron ging.

Ana, Sie waren erst vor kurzem in Ghana auf der Pan African Conference on Crystallography (PCCr2) und der African Synchrotron Light Source (AfLS2) – was verbindet Ihre Forschung mit Afrika?

Ja, das war eine sehr interessante Angelegenheit. Die fünftägige Veranstaltung in Accra (Ghana) hat zwei Tagungen vereint: PCCr2 und AfLS. AfLS begann 2015 als Projekt mit dem Ziel, ein Synchrotron für Afrika zu ermöglichen. Im Oktober 2018 besuchte uns Dr. David Dodoo-Arhin von der Universität in Accra. Er hat sich über unsere Beamline bei BESSY informiert und uns dann zu der Veranstaltung in Accra eingeladen. Mein Kollege Dr. Kirill Yusenko und ich sind da gewesen und haben unsere Expertise beigetragen. Es waren knapp 150 Teilnehmer aus fast allen Synchrotrons der Welt anwesend – auch die wissenschaftlichen Direktorinnen und Direktoren vom ESRF (Frankreich), ALBA (Spanien) und SESAME (Jordanien) waren dabei. Und wir bleiben auch nach der Tagung mit den Beteiligten bezüglich des AfLS-Projektes in Verbindung.

Dr. Ana Guilherme Buzanich auf der Tagung in Accra

Austausch über ein afrikanisches Synchrotron mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Accra

Quelle: BAM, Fachbereich Strukturanalytik

Woran forschen Sie gerade?

Ich beschäftige mich mit röntgenbasierenden analytischen Methoden, speziell mit Röntgenabsorptionsspektroskopie („XAS – X-ray absorption spectroscopy“) zur Materialcharakterisierung. Das Anwendungsspektrum ist groß. Der Fokus in unserem Fachbereich liegt bei Strukturaufklärung aller möglichen Materialien in verschiedenen Formen (z.B. Feststoffe, Lösungen). Ob Nanopartikelsysteme, pharmazeutische Substanzen, Katalysatoren oder metallische Legierungen, XAS ist oft die einfachste Methode für die Untersuchung von chemischen Zuständen und lokaler Struktur. Diese Methode führen wir an der Beamline bei BESSY II durch. Wir haben an der BAMline und µSpot Beamline dafür verschiedene Modi. Wir können z. B. eine Zeitauflösung von einer Sekunde oder eine Ortsaulösung in Mikrometerbereich anbieten, haben aber auch die Möglichkeit Spurenelemente in Nanogramm(ng)-Bereich zu untersuchen. Außerdem können wir dynamische Prozesse anschauen. Ich persönlich interessiere mich für Forschung an Katalysatoren, speziell für die Entwicklung neuer umweltfreundlicher und effizienter Materialen und die gleichzeitige Anpassung unsere Methoden an die neuen Herausforderungen. Aktuell läuft ein DFG-Projekt mit dem Ziel Vanadium-basierende Katalysatoren für eine effizientere Produktion von Formaldehyd zu untersuchen. Dabei wird die neueste, von uns entwickelte XAS Methode verwendet.

Was hat Sie inspiriert, Physik zu studieren? Haben Sie einen Tipp für Frauen, die sich für eine Karriere in Naturwissenschaften interessieren?

Seit meiner Schulzeit hatte ich immer Interesse an Mathematik, Physik und Sprachen. Damals dachte ich sogar, dass ich Informatik studieren wollte. Die Idee habe ich dann aber schnell verworfen und mich, obwohl es nicht so einfach war, dafür entschieden, Physik zu studieren. Als ich 1999 angefangen habe, habe ich mich fast sofort in die Atomphysik ‚verliebt‘. Speziell die Röntgenstrahlung und Spektroskopie haben es mir angetan. Mich fasziniert immer noch, wie einfach man Eigenschaften von Materialen herausbekommt ‚nur‘ anhand der Veränderungen in der Röntgenstrahlung innerhalb der Materie. Außerdem ist alles physikalisch sehr gut und exakt erklärbar.

Als Frau in der Wissenschaft – und speziell in der Physik – denkt man oft: ‚Das ist nicht einfach‘. Aber wenn man Interesse und die Motivation hat, eine wissenschaftliche Karriere zu machen, dann sollte man das tun! Also, Frauen: Traut euch! Als Frau ist man oft kreativer – das kann von Vorteil sein. In der Wissenschaft sind meiner Meinung nach zwei Dinge sehr wichtig: Teamwork und Interdisziplinarität. Mein Tipp: Immer das Beste aus der Vielfalt eines Teams machen, von den anderen lernen und sich so viel wie möglich mit anderen austauschen.

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