13.12.2017
Lars Neveling  und Alexander Zwingelberg vom Gymnasium Ohmoor kamen extra aus Hamburg, um ihre Proben an der BAM untersuchen zu lassen und Anregungen für weitere Tests mitzunehmen.

Lars Neveling und Alexander Zwingelberg vom Gymnasium Ohmoor kamen extra aus Hamburg, um ihre Proben an der BAM untersuchen zu lassen und Anregungen für weitere Tests mitzunehmen.

Quelle: BAM, Referat Unternehmenskommunikation

„Milchplastik, wenn die Kuh den Joghurtbecher macht!“, lautet das Projekt zweier Hamburger Gymnasiasten Lars Neveling und Alexander Zwingelberg. Beide experimentieren im Rahmen von Jugend forscht an der optimalen Zusammensetzung von Kunststoff auf der Basis von Milch. Ziel ist es, ein im Vergleich zu herkömmlicher Plastik nachhaltiges und abbaubares Produkt herzustellen. Auf der Suche nach geeigneten Messemethoden wandten sich beide an die BAM und brachten bei ihrem Besuch zahlreiche Proben mit. Gemeinsam mit Dr.-Ing. Gerhard Kalinka und seinem Team vom Fachbereich Mechanik der Polymerwerkstoffe wurden die Proben untersucht und weitere Messmethoden diskutiert.

Kunststoff aus Milch

Das Zauberwort heißt Kasein: Die Proteinmischung kommt in Milch vor – wenn sie gerinnt, wird die Konsistenz fest und aus Milch zum Beispiel Käse. Die Idee, aus Kasein Kunststoff herzustellen, ist zwar nicht neu – bereits 1897 gab es erste Versuche. Das damals entwickelte, sogenannte Galalith wurde unter anderem zur Herstellung von Knöpfen, Schmuck und Besteckgriffen verwendet. Es verlor jedoch durch die Entwicklung neuer, vollsynthetischer Kunststoffe – auf Basis des deutlich billigeren Grundstoffs Erdöl – nach und nach an Bedeutung.

Im Hinblick auf Recycling und Rohstoffknappheit wird Kasein als Grundstoff für Kunststoff wieder zunehmend interessant. Durch die Zugabe verschiedener Stoffe und unterschiedliche Mischverhältnisse konnten die Gymnasiasten „ihre“ Milchplastik bereits verbessern. Dazu vergleichen sie Zugfestigkeit, Elastizität (Knickfestigkeit), Geruch, Trockenheit sowie Wasserlöslichkeit. Weitere, komplexere Untersuchungen wurden nötig und so kamen Lars Neveling und Alexander Zwingelberg zur BAM. Dr.-Ing. Gerhard Kalinka und sein Team vom Fachbereich Mechanik der Polymerwerkstoffe empfingen beide und nahmen sich ausführlich Zeit, die gewünschten Messungen zur Zugfestigkeit und Elastizität durchzuführen. Dazu wurden aus den mitgebrachten Proben eigens spezielle Formen geschnitten, damit die Proben optimal in die Versuchsanlagen der BAM eingespannt werden konnten. Zudem gab es interessante Einblicke in die Arbeit des Fachbereiches.

Zum Zerreißen gespannt: An der BAM wurden die Proben eingespannt und die durch Zug entstehende Verformung gemessen.

Zum Zerreißen gespannt: An der BAM wurden die Proben eingespannt und die durch Zug entstehende Verformung gemessen.

Quelle: BAM, Referat Unternehmenskommunikation

Die Messungen an der BAM lieferten neue Erkenntnisse dazu, welche Kunststoff-Zusammensetzung sich mehr oder weniger elastisch bzw. stabil verhält. Mit diesem Wissen und Tipps zu weiteren Untersuchungen im Gepäck, traten beide am Nachmittag ihre Heimreise nach Hamburg an. Sicher werden noch viele Messungen nötig sein, bis die optimale Milchplastik gefunden ist. Wichtig ist Lars Neveling und Alexander Zwingelberg dabei vor allem auch, dass sie umweltverträglich und biologisch abbaubar ist. Daraus ergeben sich mögliche Anwendungen wie beispielsweise Verpackungen oder Folien, die kompostierbar sind – aber auch Implantate im Körper, die sich nach einer gewissen Zeit rückstandsfrei abbauen.

Austausch mit den Fachkollegen: Wie verhält sich welche Kunststoffmischung und welche Messparameter spielen eine Rolle? Lothar Buchta vom Fachbereich Mechanik der Polymerstoffe bespricht mit Lars Neveling und Alexander Zwingelberg die Messergebnisse.

Austausch mit den Fachkollegen: Wie verhält sich welche Kunststoffmischung und welche Messparameter spielen eine Rolle? Lothar Buchta vom Fachbereich Mechanik der Polymerstoffe bespricht mit Lars Neveling und Alexander Zwingelberg die Messergebnisse.

Quelle: BAM, Referat Unternehmenskommunikation