12.12.2017
Dr. Stefan Pogatscher von der Montanuniversität Leoben (Österreich) erhielt vom Vorsitzenden des Adolf-Martens-Fonds e. V. und BAM-Präsidenten Prof. Ulrich Panne den Adolf-Martens-Preis.

Dr. Stefan Pogatscher von der Montanuniversität Leoben (Österreich) erhielt vom Vorsitzenden des Adolf-Martens-Fonds e. V. und BAM-Präsidenten Prof. Ulrich Panne den Adolf-Martens-Preis.

Quelle: BAM

Fast alle Materialien zeigen Nicht-Gleichgewichtsphasenübergänge, über welche viele technologisch wichtige Eigenschaften wie beispielsweise Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und, magnetische Eigenschaften eingestellt werden. Eine Schlüsselfrage der Materialwissenschaft ist es zu verstehen, wie schnell diese Übergänge auftreten und damit die gewünschten Eigenschaften erreicht werden können. In Metallen ist diese Geschwindigkeit über fehlende Atome geregelt. Der Mechanismus funktioniert wie ein mit Figuren besetztes Schachbrett, wobei die Figuren die Atome im Material darstellen. Sind alle Felder besetzt, können sich die Figuren nicht bewegen. Nur wenn Figuren fehlen sind diese beweglich. Obwohl der Mechanismus Mitte des letzten Jahrhunderts entdeckt wurde, gibt es bis heute in Nicht-Gleichgewichts-Situationen keine allgemein gültigen Berechnungsmodelle, weil eine indirekte oder direkte Beobachtung der fehlenden Atome bei industriell relevanten Bedingungen aufgrund deren Geschwindigkeit und der Lokalisierung auf einzelne Atompositionen nicht möglich war.

Hier kommt Dr. Stefan Pogatscher ins Spiel: Er will die Bewegung von Atomen in Metallen untersuchen. Und das mit neuen, innovativen Verfahren. Für seine Forschung wurde der an der Montanuniversität Leoben (Österreich) tätige Stiftungsprofessor für „Werkstofftechnik von Aluminium“ am Lehrstuhl für Nichteisenmetallurgie mit dem Adolf-Martens-Preis gewürdigt.

Projekt schließt Lücke aus Theorie und Experiment

Ein Teil seiner Forschung beschäftigt sich mit der ultraschnellen Chip-Kalorimetrie, um die Geschwindigkeit der Reaktionen im Nicht-Gleichgewicht zu messen und die Entwicklung der Anzahl an fehlenden Atomen indirekt zu bestimmen. Auch soll die neuartige Technik der Chip-Kalorimetrie als Standard für die thermische Analyse von Metallen etabliert werden.

Weiterhin soll es gelingen, sehr lokal mittels Raster-Transmissionselektronenmikroskopie die Bewegung einzelner fehlender Atome in Metallen zu filmen, womit diese erstmals direkt bei deren Arbeit des Transports von Atomen beobachtet werden können.

Das Projekt schließt eine über ein halbes Jahrhundert bestehende Lücke zwischen Theorie und Experiment. Aus den Erkenntnissen sind erhebliche Auswirkungen auf die Optimierung und Gestaltung neuer Prozesse und Produkte im Bereich der Metallurgie, aber auch in der Materialwissenschaft insgesamt, zu erwarten.

Über den Adolf-Martens-Preis

Ausgerufen vom Adolf-Martens-Fonds e. V. wird der Adolf-Martens-Preis in der Regel alle zwei Jahre für ausgezeichnete Arbeiten aus den Bereichen der Werkstoffwissenschaften, der Materialforschung und -prüfung, der Sicherheitstechnik und der Analytischen Chemie vergeben.

Dabei soll insbesondere das Engagement jüngerer Forscherinnen und Forscher gefördert und gewürdigt werden. Ausgezeichnet werden können sowohl grundlagenorientierte Arbeiten wie auch technische Entwicklungen und Transferleistungen, von denen innovative Impulse für die Industrie erwartet werden dürfen.

Die Preise sind mit jeweils 3.000 Euro ausgestattet.