10.11.2017
Dr. Sabrina Kirner vom Fachbereich Technologien mit Nanowerkstoffen traf bei ihrem Segeltörn auf andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auf einen Ostsee-Sturm.

Dr. Sabrina Kirner vom Fachbereich Technologien mit Nanowerkstoffen traf bei ihrem Segeltörn auf andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und auf einen Ostsee-Sturm.

Quelle: BAM, Fachbereich Technologien mit Nanowerkstoffen

In diesem Sommer gingen im Rahmen des ersten Science Sets Sail Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zusammen mit renommierten Gästen aus In- und Ausland auf eine ungewöhnliche Expedition. Dr. Sabrina Kirner vom Fachbereich Technologien mit Nanowerkstoffen begleitete den Science Sets Sail auf einer Etappe und traf nicht nur auf andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sondern auch auf einen Ostsee-Sturm.

Vom Labor aufs Schiff

Bei dem gemeinsamen Törn segelten neun internationale Teams mit der Thor Heyerdahl von Kiel über Malmö, Riga, Helsinki und Tallinn nach Rostock. Dabei stand nicht nur der wissenschaftliche Austausch im Vordergrund, sondern auch das Mitanpacken im rauen Alltag auf der Ostsee.

Frau Kirner, was hat Sie an diesem Trip gereizt?

Ein Dreimaster, salzige Seeluft, Wellengang – Ist das der richtige Ort für einen Workshop? Ja, ganz sicher! Diese Atmosphäre fördert nicht nur die Zusammenarbeit, sondern auch die Kreativität des Teams aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen. Klar ist es eine große Herausforderung, sich auch bei stürmischer See auf unebenem Grund noch auf Fachliches zu konzentrieren. Aber gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollten Herausforderungen nicht scheuen! Dieser außergewöhnliche Ort und die Tatsache, aus dem Labor bzw. Büro-Alltag zu entfliehen, bieten einen optimalen Nährboden für neue Ideen und Kooperationen.

Haben Sie neue Kontakte zu anderen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern knüpfen können?

Ja! Ich habe auf dem Schiff viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit sehr interessanten Forschungsthemen kennengelernt. Einige davon mit fachlichen Parallelen zu meiner Forschung an der BAM. Durch die fachlichen Gespräche hat sich bald herauskristallisiert, dass wir durch verschiedene Methoden ähnliche Materialeigenschaften erzielen und erforschen. Das bietet viele Anknüpfungspunkte zwischen den Forschungsgruppen. Um Projektideen zu konkretisieren, stehe ich nach wie vor im Kontakt mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Erlangen, Delft, Bordeaux und Kopenhagen.

Worin unterscheidet sich nun die Zusammenarbeit auf einem Schiff von der im Büro oder Labor?

Auf dem Schiff ist man auf Teamarbeit angewiesen. Man zieht im wahrsten Sinne des Wortes an einem Strang. Als Lehr-Segelschiff wurde die Thor Heyerdahl bewusst so gebaut, dass viele man viele Leute braucht, um das Schiff zu segeln. Und die Motivation aller Beteiligten war so groß, dass es keine Probleme bei der Zusammenarbeit gab. Die größte Herausforderung war für mich der starke Wind. In den ersten Tagen hatten wir Windstärken von bis zu 8 Beaufort. Außerdem birgt der wackelige Untergrund ganz andere Schwierigkeiten: Man musste alle Dinge, mit denen man arbeitet, ständig gut festhalten. Und natürlich auch sich selbst. Es ist tatsächlich eine Herausforderung, sich bei starken Wellengang noch auf Fachliches zu konzentrieren.

Auf hoher See: Sabrina Kirner genießt den Ausblick vom Großmast. Im sicheren Hafen: Das Team der Thor Heyerdahl von Tallin bis Rostock.

Auf hoher See: Sabrina Kirner genießt den Ausblick vom Großmast. Im sicheren Hafen: Das Team der Thor Heyerdahl von Tallin bis Rostock.

Quelle: BAM, Fachbereich Technologien mit Nanowerkstoffen

Schwankender Boden, starkes Teamwork

Nach bereits starkem Seegang in den ersten Tagen wurde die Crew auf ihrem Weg nach Danzig noch unvorhergesehen von einem Sturm überrascht. Mehr als die Hälfte der Besatzung fiel seekrank aus – die Übriggebliebenen mussten unter erschwerten Bedingungen die Steuerung des gesamten Schiffes übernehmen. Aufgrund der Wetterlage entschied der Kapitän, den Danziger Hafen nicht wie geplant anzusteuern. Die neue Route führte stattdessen auf die schwedische Insel Gotland, die unter den gegebenen Umständen am sichersten zu erreichen war. Leider entging den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern dadurch die Gelegenheit, ihre Ergebnisse der polnischen Öffentlichkeit am Open-Ship-Day in Danzig vorzustellen. Dafür wurde jedoch an Bord kurzerhand eine schiffsinterne Poster-Session organisiert. Die Präsentation und die anschließende Zeit zur Diskussion der Forschung boten eine gute Möglichkeit, sich ausführlich auszutauschen.

Frau Kirner, welches Ereignis wird Ihnen im Gedächtnis bleiben?

Das Gefühl, vom fast 30 m hohen Großmast auf die Leute auf dem Schiff und das endlos scheinende Meer zu blicken. Natürlich empfindet man eine Mischung aus Respekt und auch etwas Angst vor der Höhe, aber es ist so schön, dass man am liebsten oben bleiben möchte. Auch das Gefühl am Steuer zu stehen, wissend mit dem Rad in der Hand ein Schiff dieser Größe zu steuern, fand ich sehr beeindruckend.

Was nehmen Sie für die Arbeit bei der BAM aus diesem Erlebnis mit?

Ähnlich wie beim Segeln muss man auch in der Forschung manchmal den Kurs ändern, wenn der Wind aus der falschen Richtung kommt. Das bedeutet, nicht schon beim kleinsten Widerstand aufzugeben. Man sollte aber auch seine Kräfte nicht unnötig verschwenden. Manchmal bringt ein Kurswechsel neue Ideen und überraschende Erkenntnisse!

Über das Projekt LiNaBioFluid

Viele industrielle Anwendungen profitieren von einer Nano- und Mikrostrukturierung der Oberfläche zur Optimierung des Reibverhaltens. Die BAM setzt seit Jahren Lasertechnologie ein, um solche Strukturierungen zu erzeugen und die dadurch beeinflussten Materialeigenschaften zu untersuchen. Im Projekt LiNaBioFluid (Laser-induced Nanostructures as Biomimetic Model of Fluid Transport in the Integument of Animals) untersucht die BAM gemeinsam mit sechs weiteren internationalen Forschungs- und Industriepartnern aus Deutschland, Österreich, Spanien und Griechenland neben den topographischen Effekten auch chemische Einflüsse. Die Haut von Eidechsen und Blattwanzen dient dabei als Vorbild für technische Oberflächen. LiNaBioFluid wird als HORIZON-2020-Projekt von der EU gefördert.