Floris Akkerman ist der BAM Experte für EU-Richtlinien zu Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung.

Floris Akkerman ist der BAM Experte für EU-Richtlinien zu Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung.

Quelle: BAM/Thomas Köhler

Aufkleber an Haushaltsgeräten informieren über die Energieeffizienz. Grundlage: die EU-Richtlinie zur Energieverbrauchskennzeichnung. Weniger offensichtlich für den Verbraucher, aber bedeutsam für Hersteller, ist die Ökodesign-Richtlinie der EU. Sie definiert „umweltrelevante Mindestanforderungen“ an die Produktgestaltung. Bevor die EU konkrete Verordnungen zu einzelnen Produkten erlässt, verfassen die Mitgliedsländer eine nationale Stellungnahme. In Deutschland ist federführend die BAM beteiligt. Experte zu diesem Thema ist Dr. rer. nat. Floris Akkerman, Leiter des Referats Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung. 

Was ist der Unterschied zwischen den beiden EU-Richtlinien?

Die Ökodesign-Richtlinie soll einen sogenannten Push-Effekt bewirken und den Markt anschieben. Durch Mindestanforderungen macht die EU den Herstellern ökologische Vorgaben zur Gestaltung ihrer Waren. Nur wer die erfüllt, dessen Produkt bleibt am Markt. Mit der Verbrauchskennzeichnung setzt die EU dagegen Anreize zur Erreichung der besten Energieklasse. Sie erwartet sich dadurch Pull-Effekte. Kunden können sich so bewusst für die energiesparendste Technik entscheiden. Die Ökodesign-Richtlinie umfasst mehr als nur Energieeffizienz: Bei ihr geht es um den Rohstoffverbrauch und die Auswirkungen auf die Umwelt als Ganzes. Insgesamt also ein gesellschaftlich sehr relevantes Thema.

Was bedeutet diese Regulierung für die Wirtschaft?

Besonders kleine Unternehmen können erforderliche Investitionskosten, Nachweise zur Einhaltung der Mindestanforderungen oder Entscheidungsprozesse von mehreren Jahren durchaus belasten. Es gibt aber in Deutschland viele Hersteller – in der Großindustrie wie im Mittelstand – mit sehr innovativen Produkten, die den EU-Anforderungen längst entsprechen. Sie haben ein Interesse an strengeren Regeln, schließlich bringt es ihnen einen Wettbewerbsvorteil. Mehr Effizienz wünschen sich auch die Verbraucher, die sich zunehmend für energiesparende und nachhaltig produzierte Waren entscheiden. Der Nutzen für die deutsche Wirtschaft ist größer als mögliche Nachteile.

Was macht die BAM, wenn Überarbeitungen oder neue Regulierungen für bestimmte Produktgruppen anstehen?

Wir recherchieren betroffene Unternehmen, Behörden, Branchen-, Verbraucher- und Umweltschutzverbände und laden sie zu einer Anhörung ein. Da kommen dann Juristen, Produktdesigner, Ingenieure und Mitglieder von Normungsausschüssen, die sich mit den jeweiligen Produkten bestens auskennen. Wir sind auf ihre Expertise angewiesen und diskutieren gemeinsam über die Vorschläge. Kritik, die sich je nach Interessenlage unterscheidet, nehmen wir als BAM auf. Anschließend bewerten wir die Argumente und verfassen in Absprache mit dem Wirtschafts- und Umweltministerium sowie dem Umweltbundesamt die deutsche Stellungnahme gegenüber der EU. Auf europäischer Ebene gibt es ebenfalls Anhörungen, wo wir den deutschen Standpunkt persönlich vortragen.

Hat ihre Position in Brüssel Gewicht? Haben Sie schon EU-Vorschläge zurückgewiesen?

Ja, zum Beispiel bei Industrieöfen. Wir sind nach Abwägung aller Argumente zu dem Schluss gekommen, dass dies kein geeignetes Produkt für die Ökodesign-Richtlinie ist. Die technischen Standards liegen in der Branche zu weit auseinander. Die EU ist unserem Urteil gefolgt und hat ihre Vorschläge zurückgezogen.

Obwohl alle EU-Mitglieder formal gleichgestellt sind, hat Deutschland als großer Staat ein gewisses Gewicht. Nicht alle Länder haben den gleichen Willen und die personellen und organisatorischen Möglichkeiten wie wir. Es ist nicht selbstverständlich, dass es auf nationaler Ebene Anhörungen gibt, wie sie die BAM durchführt. Manche übermitteln ihre Stellungnahme, ohne die Wirtschaft einzubeziehen. Wir gehören zu den besonders aktiven Staaten, deshalb schließen sich andere oft unserem Votum an.

Welche Unterstützung bietet die BAM betroffenen Unternehmen?

Auf unserer Webseite und Blog finden sie alle Informationen. Vor allem kleine Unternehmen ohne eigene Entwicklungs- und Rechtsabteilungen können sich bei Fragen zur Umsetzung auch direkt an uns wenden und Auskünfte erhalten. Aber wir beraten nicht zu konkreten technischen Lösungen. Dafür gibt es spezielle Unternehmensberatungen und Prüfinstitute.

Welche Unterstützung bietet die BAM noch?

In einem neuen Projekt Unterstützung der Marktüberwachung kommen die Prüfmethoden für energieverbrauchsrelevante Produkte nun selber auf den Prüfstand. Dabei lässt die BAM Labortests an Produkten durchführen, welche ein Energielabel tragen. Dies soll zum einen die Marktüberwachung unterstützen, zum anderen mehr Transparenz schaffen und das Vertrauen der Verbraucher in die Produktangaben zum Energieverbrauch oder zur Energieeffizienz stärken.