Die Aktenschränke von Hagen-Joachim Saxowski täuschen: Hier geht es kreativer zu, als man denken mag.

Die Aktenschränke von Hagen-Joachim Saxowski täuschen: Hier geht es kreativer zu, als man denken mag.

Quelle: BAM, Bild: Michael Danner

Hagen-Joachim Saxowski leitet den Servicebereich Forschung. Das heißt, Verträge zu Projekten auszuarbeiten, Drittmittel und Patente zu verwalten – also penibel und zugleich kreativ zu sein.

Herr Saxowski, was verbirgt sich hinter all diesen Akten?

Zum Beispiel Verträge zu Forschungskooperationen unserer Wissenschaftler. Wir unterstützen viele Vorhaben gleich von Beginn an, indem wir sämtliche Verhandlungen begleiten. Darüber hinaus begleiten wir administrativ die Durchführung der Projekte.

Gerade liegen Papiere vor Ihnen, die zweisprachig verfasst sind, auf Deutsch und Englisch. Gibt es das häufiger?

International zu arbeiten ist die Regel für mich und meine Mitarbeiter. Genauso sieht ja die Praxis unserer Forscher aus. Ich verstehe mich als Dienstleister für die Wissenschaftler, und somit gibt es für mich auch oftmals zwei Vertragssprachen. Neben deutschsprachigen Verträgen werden Verträge in englischer Sprache abgeschlossen. Ich muss daher oftmals auf Englisch verhandeln.

Das klingt so gar nicht nach einer spröden Verwaltung, die man – pardon – ja ebenso vermuten könnte.

Meine Arbeit ist voll auf den Livebetrieb ausgelegt. Eigentlich sitzen in jeder Woche mehrfach Wissenschaftler hier an meinem Tisch und stellen mir ihre Projekte oder Vorhaben vor oder wir besprechen das weitere Vorgehen zu laufenden Projekten. Meine Mitarbeiter und ich, wir sehen sofort, was durch unser Handeln passiert. Das macht die Arbeit besonders.

Die Idee ist, dass ein Wissenschaftler bei Ihnen aus einer Hand alle Hilfestellungen zur Durchführung von Forschungsprojekten erhält?

Genau. Niemand muss zu verschiedenen Stellen im Haus rennen. Das Vertragswesen, die Drittmittelverwaltung und das Patent- und Lizenzwesen sind in einem einzelnen Referat zusammengefasst.

Um wie viele Drittmittel geht es?

Das Gesamtvolumen beträgt etwa 16 Millionen Euro im Jahr. So viel bekommt die BAM an zusätzlichen Forschungsgeldern aus öffentlichen Institutionen oder aus der Wirtschaft. Mein Referat kümmert sich um alles, was damit zu tun hat: um Fristen, die korrekte Verwaltung und die Einhaltung von Vertrags- und Förderbedingungen.

Vorschriften, Fristen, Paragraphen ...

Natürlich! Der Technologietransfer nach außen ist Teil des offiziellen Auftrages der BAM. Ein Wissens- und Technologietransfer muss mit jedem Partner vertraglich ganz penibel abgesichert werden. Dafür sind wir allein vier Juristinnen und Juristen im Referat. Bei der Anmeldung von Patenten ist das ebenso essentiell.

Sie schützen auch die Erfindungen der BAM?

Ja. Weltweit hat die BAM derzeit 353 Patente, darunter 163 deutsche. Richtig spannend wird es für uns, wenn für eine Erfindung gleichzeitig ein Patent angemeldet und parallel auf Grundlage der Erfindung eine Drittmittelförderung beantragt werden soll und dann die Zeit drängt.

Warum?

Es kann ein Dilemma sein: Patentrechtlich dürfen Informationen zu einer Erfindung nicht offengelegt werden, bevor das Patent angemeldet ist. Bei der Beantragung von Fördermitteln muss ich Informationen zur Erfindung aber eben offenlegen, um dem Fördermittelgeber zu zeigen, was mit dem Geld konkret erreicht werden soll. Aber auch dieser Fall lässt sich lösen, mit einer Art Notanmeldung und Beantragung von Aufschubfristen. So muss ich meine Arbeit häufig neu ausrichten. Immer an dem, was kommt.