20.07.2018

Dr. Thorsten Schönfelder mit Atemluftflaschen der Berliner Feuerwehr

Dr. Thorsten Schönfelder erforschte die Sicherheit von Atemluftflaschen der Berliner Feuerwehr im Einsatz.

Quelle: BAM

Dr. Thorsten Schönfelder hat für seine Promotion die Sicherheit von Atemluftflaschen untersucht, die Feuerwehrleute als Teil ihrer Schutzausrüstung verwenden, wenn sie Brände löschen. Dazu simulierte er Feuerwehreinsätze im Labor. Für seine Arbeit konnte er auf langjährige praktische Erfahrungen zurückgreifen: Fast zwei Jahrzehnte war er Feuerwehrmann.

Wenn Feuerwehrleute in brennende Gebäude gehen, müssen sie wegen der Rauchentwicklung Atemschutzgeräte umschnallen. Diese sind mit Gasflaschen, sogenannten Typ-III-Druckbehältern ausgestattet, die die Feuerwehrleute mit Atemluft versorgen. An ihnen hängen im Brandeinsatz das Leben und die Gesundheit der Feuerwehrleute. Deshalb müssen sie großer Hitze standhalten können.

„Bei einem Einsatz können die Gasflaschen auf den Rücken der Feuerwehrleute Temperaturen von bis zu 250°C ausgesetzt sein“, erklärt Schönfelder den Ausgangspunkt seiner Forschung. „Nachgewiesen werden muss die Sicherheit fabrikneuer Behälter vor dem Verkauf aber nur für ein Temperatur-Spektrum von -40°C bis 65°C.“ Dieser Temperaturunterschied war das Forschungsfeld von Thorsten Schönfelder. In seiner Doktorarbeit, die er am BAM-Fachbereich Gefahrguttanks und Unfallmechanik anfertigte und an der Bergischen Universität Wuppertal einreichte, beschäftigte sich Schönfelder intensiv mit den Atemluftflaschen der Berliner Feuerwehr. Dabei ist er der Frage nachgegangen, wie sicher die Gasflaschen beim Brandeinsatz sind. Der Maschinenbau-Ingenieur weiß sehr genau wovon er redet: Bevor er 2012 zur BAM wechselte, löschte er hauptberuflich Brände für die Berliner Feuerwehr.

Der Weg in die Wissenschaft: Zwischen Feuerwache und Hörsaal

Nach 17 Jahren in der Praxis war die Zeit reif für eine berufliche Neuorientierung: „Ich habe dann irgendwann gemerkt, dass ich auch mal was anderes brauche“, begründet Schönfelder seine Entscheidung, den Umstieg vom Löschfahrzeug in den Hörsaal zu wagen. Neben seiner Vollzeitbeschäftigung als Feuerwehrmann begann er 2006 ein Studium der Ingenieurwissenschaften an der Beuth Hochschule. „Das war eine schöne, wenn auch sehr anstrengende Zeit“, erinnert sich Schönfelder. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt. Die Kombination aus Studium und praktischem Erfahrungswissen war das Sprungbrett für seinen Einstieg in die Wissenschaft. Nach Abschluss des Studiums tauschte Schönfelder seinen Job als Feuerwehrmann gegen eine Promotionsstelle.

Dr. Thorsten Schönfelder und ein Mitarbeiter der Berliner Feuerwehr im Schutzanzug

Von der Feuerwache in den Hörsaal: Die Kombination aus Studium und praktischem Erfahrungswissen war das Sprungbrett für seinen Einstieg in die Wissenschaft.

Quelle: BAM

Promotion an der BAM: Simulierter Feuerwehreinsatz im Labor

Für seine Promotion besorgte er sich bei seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen der Berliner Feuerwehr ausrangierte Atemluftflaschen und simulierte einen Feuerwehreinsatz im Labor. Um die Vorgänge in der Flasche mathematisch darstellen und berechnen zu können, brauchte er Daten, die bei einem echten Feuerwehreinsatz nicht erhoben werden können. „Ich habe die Flaschen daher aufgeschnitten, Temperatursensoren angebracht und sie mit Wärme bestrahlt“, erklärt Schönfelder, wie sich die Bedingungen eines Einsatzes ohne echtes Feuer nachstellen lassen.

Mit Hilfe der gewonnenen Daten konnte Schönfelder Aussagen darüber treffen, ab wann die Atemluftflasche im Feuerwehreinsatz theoretisch versagt. Die gute Nachricht für alle Feuerwehrleute: Schönfelder konnte nachweisen, dass die Atemluftflaschen auch bei hohen Temperaturen sicher sind. Obwohl die Flaschen nicht für einen Einsatz bei sehr hohen Temperaturen ausgelegt sind, bietet das untersuchte Baumuster genug Sicherheit für den Einsatz bei der Brandbekämpfung.

Der rote Faden ist die Sicherheit

Mittlerweile widmet sich Schönfelder bei der BAM einem neuen Aufgabengebiet. Als Gutachter für die Zulassung von Transportbehältern für radioaktive Stoffe arbeitet er am Fachbereich Sicherheit von Transportbehältern am sicheren Ausstieg aus der Atomenergie mit. Dass er seinen Job bei der Berliner Feuerwehr für eine Promotionsstelle bei der BAM aufgegeben hat, hat er nach eigenen Angaben nie bereut. Auch in seinem neuen Arbeitsumfeld kann er sein Wissen aus der Praxis sehr gut einbringen. Zu der Frage nach dem größten Unterschied zwischen seiner Arbeit bei der Berliner Feuerwehr und der BAM fällt ihm daher als erstes eine Gemeinsamkeit ein: „Es geht um die Sicherheit der Bevölkerung. Der Unterschied ist nur, dass man bei der Feuerwehr direkt am Ort des Geschehens ist. Hier bei der BAM versuchen wir durch Wissenschaft und Technik vorbeugend zu handeln.“