05.07.2018

Dr. Thomas Goedecke in seinem Büro

Dr. Thomas Goedecke in seinem Büro

Quelle: BAM, Referat Unternehmenskommunikation

Herr Dr. Goedecke, Sie kommen gerade aus China zurück, wo Sie den renommierten IAPRI Lifetime Achievement Award für Ihre Leistungen im Verpackungssektor erhielten. Wie war es in China?

Erstaunlich ist insbesondere die Geschwindigkeit der Veränderungen, die an deutschen Verhältnissen gemessen atemberaubend ist: die gerade eröffneten Kongressgebäude in Zhuhai, die vielen im Bau befindlichen Hochhäuser, die 50 km lange Brücke von Hongkong nach Macao und weiter ... das macht schon Eindruck. Man ist dort sehr stolz auf die neue Infrastruktur und auch auf den wissenschaftlichen Nachwuchs. An der IAPRI Konferenz nahmen auch sehr viele junge chinesische Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen teil. Über die Ehrung mit dem IAPRI Lifetime Achievement Award habe ich mich natürlich sehr gefreut.

IAPRI Lifetime Achievement Award

Dr. Thomas Goedecke wurde mit dem IAPRI Lifetime Achievement Award geehrt

Dr. Thomas Goedecke (mitte) wurde mit dem IAPRI Lifetime Achievement Award geehrt. Links: IAPRI Präsident Prof. Jay Singh, rechts: Edward A. Church, IAPRI Generalsekretär

Quelle: BAM

Dr. Thomas Goedecke wurde von der IAPRI International Association of Packaging Research Institutes im Juni 2018 mit dem IAPRI Lifetime Achievement Award geehrt.

IAPRI zeichnet mit diesem Preis Persönlichkeiten aus, die sich im Bereich Verpackungen und um die Packaging Research Community mit herausragenden Leistungen verdient gemacht haben. Die Vereinigung agiert weltweit. Ihr gehören ca. 100 Mitgliedsorganisationen an. IAPRI vergibt den Lifetime Achievement Award im Jahr 2018 zum dritten Mal seit ihrer Gründung 1971.

Dr. Goedecke war von 2009 bis 2016 IAPRI Präsident.

Dr. Thomas Goedecke - Curriculum Vitae
1980 bis 1984 Studium an der TU Berlin, anschließend Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Berlin
1991 Promotion zum Dr.-Ing. Werkstoffwissenschaften
1991 Wechsel zur BAM: Wissenschaftlicher Mitarbeiter, verschiedene Leitungsfunktionen
seit 2015 Wahrnehmung der Leitung der Abteilung "Gefahrgutumschließungen" an der BAM

Zahlreiche Mitgliedschaften und Ehrenämter in nationalen und internationalen Vereinigungen und Gremien

Dr. Thomas Goedecke - Ehrenämter und Mitgliedschaften (Auswahl)

2009–2016 President der “International Association of Packaging Research Institutes” (IAPRI)

2005-2009 Vice President der “International Association of Packaging Research Institutes” (IAPRI)

Seit 2008 Mitglied der deutschen UN-Delegation “Committee of Experts on the Transport of Dangerous Goods (TDG)”, Genf, Schweiz

2006-2016 Director of the European Division Board der “International Safe Transport Association” (ISTA), London

Mitglied im DIN NAVp-Vorstand

Convenor von ISO/CEN/TC 261/SC5/WG16 „Dangerous Goods Packaging“

Leiter der Arbeitsgruppe Verpackungen des ständigen Ausschusses Gefahrgutbeförderung des Gefahrgut-Verkehrs-Beirates beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI)

Hier an der BAM sind Sie Chef der Abteilung Gefahrgutumschließungen. Welche Rolle spielt die BAM für den Transport von gefährlichen Gütern?

Beim Transport gefährlicher Güter geht es der BAM insbesondere um die Klassifizierung von Gefahrstoffen und um die sichere Umschließung dieser Stoffe in Gefahrguttanks und Verpackungen.

Sie arbeiten eng mit den Fachleuten von der Chemischen Sicherheit zusammen und wirken in internationalen Gremien mit. Was liegt an - Lithiumbatterien?

Im Augenblick gibt es aufgrund der Energiewende und der zunehmenden Elektromobilität sehr viele Anfragen zum Transport defekter Lithium-Ionen-Batterien. Dieses Thema beschäftigt uns in den Abteilungen Chemische Sicherheitstechnik und Gefahrgutumschließungen, denn die BAM ist in Deutschland zuständig für die Festlegungen beim Transport der Akkus. Es gibt zudem bei der UN gerade eine Initiative, die Lithium-Batterien weltweit neu zu klassifizieren - nach Gefährlichkeit - und in dieser UN-Arbeitsgruppe ist die BAM jetzt dabei.

Man muss außerdem bedenken, dass die schnell fortschreitende Entwicklung neuer Energiespeicher dazu führt, dass die Vorschriften gar nicht so schnell entwickelt werden können, wie wir sie eigentlich bräuchten. In den Vorschriften heißt es dann sehr oft "wie von der zuständigen Behörde festgelegt". Da müssen wir für die Bundesrepublik bestimmte Festlegungen treffen, die wir dann in die internationalen Gremien zurückspiegeln.

Hersteller von Gefahrgutumschließungen und Transporteure kennen die BAM gut, denn die BAM ist nationale Zulassungsbehörde.

Ja, die BAM ist zuständig für die Zulassung von Umschließungen für gefährliche Güter. Wir haben aber auch weitere Aufgaben, z.B. die Bauartprüfung von Transportbehältern für radioaktive Stoffe. Da prüfen wir, ob die Behälter dicht sind und keine Radioaktivität nach außen dringt. Und das Beurteilen von Qualitätsmanagementsystemen für die Fertigung und den Betrieb von Versandstücken, also von Containern und Verpackungen, liegt auch bei der BAM.

Auf Deutschlands Straßen, Schienen und Gewässern werden jährlich über 300 Millionen Tonnen Gefahrgüter transportiert, z. B. Chemikalien und petrochemische Stoffe. Dazu zählen auch explosive oder entzündbare Stoffe, giftige, ätzende, radioaktive Stoffe und weitere gefährliche Stoffe und Gegenstände. Herr Dr. Goedecke, wie sicher sind diese Gefahrguttransporte?

Die Transporte dieser gefährlichen Güter sind sicher, in Deutschland und auch in Europa. Wir sprechen hier von der Transportsicherheit bei gefährlichen Gütern. Aber es gibt auch Güter, die unfallsicher verpackt sein müssen, so etwa die radioaktiven Materialien. Dort sind natürlich ganz andere Anforderungen an die Sicherheit zu stellen. Für radioaktive Stoffe gilt die Gefahrgutklasse 7. Auch bei Gasen und ähnlichen Stoffen gelten andere Anforderung, sowohl an Tanks als auch an Verpackungen. Die absolute Sicherheit gibt es natürlich nie.

Gefahrgüter werden oft über mehrere Landesgrenzen transportiert. Verschiedene Länder, aber internationale Sicherheitsvorschriften ...

Internationalisierung ist natürlich notwendig, da sonst Transporte zwischen den Ländern gar nicht stattfinden könnten. Wenn etwas in die USA oder nach Asien geschickt wird, haben sie ja verschiedene Verkehrsträger. Sie fangen an mit dem LKW und verfrachten dann vielleicht auf die Bahn oder auf ein Schiff. Damit verbunden sind auch immer unterschiedliche Rechtsbereiche. Wenn die nicht harmonisiert wären, müssten sie jeweils unterschiedliche Genehmigungen beantragen, in unterschiedlichen Ländern. Das ist dank der Internationalisierung der Vorschriften nicht mehr nötig. Im Bereich Seeverkehr haben wir z. B. den IMDG Code (International Maritime Code for Dangerous Goods), ein internationales Vorschriftenwerk, das weltweit gültig ist.

Ein Blick in die Glaskugel: Neue Materialien, Ressourcen sparende Fertigungsverfahren, neue Energiespeicher, Kreislaufwirtschaft. Werden künftig weniger Gefahrgüter transportiert als jetzt?

Das glaube ich nicht, da das Aufkommen an transportierten Gefahrgütern über die Jahre recht stabil geblieben ist. Es kommen auch immer wieder neue Kategorien dazu. So werden neben den Lithium-Batterien künftig auch noch mehr Wasserstoff oder Gase zum Einsatz kommen. Die BAM beobachtet und begleitet diese Entwicklungen und stellt sich darauf ein. So haben wir etwa einen neuen Prüfstand für Brandversuche an Lithium-Batterien gebaut, der u. a. mit Gassensoren ausgerüstet ist und Schadstoffe sehr genau erfasst. Solche Daten werden helfen, Unfälle besser zu bewerten und auch die Sicherheit bei den Transporten zu gewährleisten.