11.02.2019

Ahed Almalla hatte in Aleppo ein Chemiestudium begonnen und ist 2015 aus Syrien geflüchtet. In Deutschland schreibt sie nun ihre Masterarbeit und hat dazu ein Praktikum an der BAM absolviert.

Ahed Almalla hatte in Aleppo ein Chemiestudium begonnen und ist 2015 aus Syrien geflüchtet. In Deutschland schreibt sie nun ihre Masterarbeit und hat dazu ein Praktikum an der BAM absolviert.

Quelle: BAM

Ahed Almalla ist 2015 aus Syrien geflüchtet und lebt jetzt mit ihrem Partner und ihrem zweijährigen Kind in Berlin. In Aleppo hatte sie ein Chemiestudium begonnen. Derzeit schreibt sie ihre Masterarbeit zum Thema „Korrosion von Nanokomposit-Dünnschichten aus Aluminiumoberflächen“ an der FU Berlin. Als Teilnehmerin des Programms „Open doors, open minds“, das junge geflüchtete Frauen unterstützt, hat sie an der BAM 2018 ein zweimonatiges Praktikum im Fachbereich Grenzflächenprozesse und Korrosion absolviert.

Warum haben Sie sich für ein Chemie-Studium entschieden?

Schon als Kind habe ich mich sehr für wissenschaftliche Themen interessiert. Ich habe Zeichentrickfilme angeschaut und war fasziniert, was Experimente bewirken können – zum Beispiel Superhelden erschaffen oder sogar Bösewichte besiegen. Vielleicht wollte ich Chemikerin werden, um meine eigenen Superkräfte zu schaffen, wer weiß! Jedenfalls belegte ich in der Schule den naturwissenschaftlichen Bereich und entschied mich dann für ein Chemie-Studium an der Universität in Aleppo.

Wie sind Sie auf das Praktikum bei der BAM aufmerksam geworden?

Ich habe am Programm Open doors, open minds teilgenommen. Das ist ein Angebot zur beruflichen Orientierung und politischen Bildung, insbesondere für geflüchtete junge Frauen zwischen 18 und 27 Jahren. Zum Programm gehörte ein dreimonatiges Praktikum für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das konnte entweder in einem Unternehmen, einer Institution - beispielsweise Ministerien, der öffentlichen Verwaltungen oder dem Parlament - oder einer Nichtregierungsorganisation absolviert werden. Die Praktika richteten sich in der Regel nach unseren Interessen, und ich wollte die Arbeit an der BAM kennenlernen.

Was war Ihr erster Eindruck von der BAM, als Sie hier angefangen haben?

Als ich das Gelände betrat, schaute ich mich um und dachte: Wie groß! Die BAM erschien mir wie eine eigene kleine Stadt innerhalb Berlins. Ich war am Anfang immer ein bisschen verloren, wenn ich eine Kollegin oder einen Kollegen oder einen bestimmten Raum gesucht habe.

Gibt es Unterschiede zwischen den Forschungseinrichtungen in Syrien und der Arbeit der WissenschaftlerInnen an der BAM?

Nach Abschluss meines Bachelorstudiums an der Universität Aleppo musste ich das Land verlassen. Ich war daher dort nicht mehr in der Forschung tätig. Während des Krieges habe ich drei Jahre lang studiert, und ich kann sagen, dass die Situation vor Ort kaum zu bewältigen war. An den Universitäten mangelt es an allen Grundmaterialien, Instrumenten – und schlicht an alltäglichen Dingen wie Strom oder Wasser, die man benötigt, um seine Forschungsarbeit zu beenden. Aufgrund des Krieges mussten viele Professorinnen, Professoren und Hochschullehrerinnen bzw. Hochschullehrer das Land verlassen. Daher ist die Anzahl der Promovierenden und Masterstudierenden im Vergleich zu den Universitäten in Deutschland sehr begrenzt. Von den Studierenden und Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern verließen viele das Land, wurden verhaftet – oder sogar getötet. Ihre Zahl wurde immer kleiner. Inzwischen ist die Situation vor Ort aber schon etwas besser geworden.

Wie ist die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen in Deutschland und an der BAM für Sie?

Andy Teach, Autor des Buches „From Graduation to Cooperation“, schreibt: "Wenn man einen schlechten Apfel im Haufen hat, kann das die Moral und die Motivation einer ganzen Abteilung verderben." Für mich persönlich heißt das: Ich habe immer versucht, ein guter Apfel zu sein, um eine gute und kooperative Beziehung zu meinen Kollegen zu haben. Respekt, Kommunikation, Zuhören, Helfen und um Hilfe bitten, Feedback und Teamarbeit sind die wichtigsten Faktoren für eine effektive Zusammenarbeit mit allen. Insgesamt sind die Kolleginnen und Kollegen hier sehr nett, und ich hatte nie Probleme, mit ihnen in Kontakt zu kommen.

Gibt es Aspekte der Arbeit an der BAM, an die Sie sich zunächst gewöhnen mussten?

Für mich war die tägliche Vollzeitarbeit – zusätzlich zu meinem Studium und meiner Familie - ein völlig neues System. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Außerdem musste ich jeden Morgen bei der Sicherheitskontrolle am Haupteingang meinen Hausausweis vorzeigen. Am Anfang fand ich das ziemlich umständlich. Aber später wurde mir klar, wie wichtig das Thema Sicherheit hier ist.

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten bringen Sie aus Syrien mit, die hier besonders hilfreich sind?

Ich habe die Fähigkeit, unter Druck zu arbeiten und mich an alle Umstände anzupassen. Einmal hatten wir in Aleppo Prüfungen, während in nur 100 Meter Entfernung Bomben fielen. Ich bestand die Prüfung sogar. Ich glaube, dass uns der Krieg zwar vieles genommen hat, aber gleichzeitig sind wir stärker, widerstandsfähiger und entschlossener geworden.

Was wollen Sie als Nächstes in Ihrer Karriere erreichen?

Aus meiner Sicht ist eine Promotion ein natürlicher nächster Schritt nach dem Abschluss eines Masterstudiums ist, den ich sehr gerne gehen möchte.