Dr. Kai Holtappels vor dem Beobachtungsbunker auf dem BAM Testgelände in Horstwalde: Per Funk steht er in Kontakt mit den Kollegen, die einen Stahlcontainer für eine Versuchsreihe auf dem Sprengplatz vorbereiten.

Dr. Kai Holtappels vor dem Beobachtungsbunker auf dem BAM Testgelände in Horstwalde: Per Funk steht er in Kontakt mit den Kollegen, die einen Stahlcontainer für eine Versuchsreihe auf dem Sprengplatz vorbereiten.

Quelle: BAM, Bild: Michael Danner

Kai Holtappels untersucht Gasexplosionen, ganz nah dran am Geschehen: mit Versuchen auf dem BAM Testgelände in Horstwalde. Es geht, berichtet er, unter anderem um Kühlanlagen und Geldautomaten.

„Was macht ein 40-Fuß-Seecontainer mitten im brandenburgischen Kiefernwald? Die Antwort ist einfach und zugleich brisant: Wir untersuchen seine Klimaanlage – und ob sie unter bestimmten Umständen ein explosives Klima im Inneren erzeugen kann. Deshalb haben wir den Stahlcontainer hierher, auf unseren großen Sprengplatz schaffen lassen. Daher auch all die Verkabelungen an den Türen. Es ist die Simulation einer Gasexplosion im Container. Wie sie vonstatten geht, das verfolge ich aus dem Schutz eines Beobachtungsbunkers. Gleichzeitig misst meine Sensortechnik alle Auswirkungen, Go-Pro-Kameras nehmen das Szenario aus allen Perspektiven auf.

Heißt das nun etwa, Kühlcontainer sind gar nicht richtig sicher und dass deshalb diese Auswirkungen getestet werden? Nein. Im Gegenteil. Kühlcontainer sind sehr sicher. Aber wir wollen auch, dass es so bleibt. Daher sind das rein vorbeugende Untersuchungen. Es ist eine Risikoabschätzung, noch bevor es überhaupt ein spezielles neues Kühlsystem für einen Schiffscontainer gibt.

Das ist sehr typisch für meine Arbeit: Ich erforsche, wie eine Explosion im besten Falle verhindert werden kann oder wie zumindest die Folgen sehr gering zu halten sind und niemand zu Schaden kommt. Der Hintergrund ist, dass überall auf der Welt dringend neue Kühlflüssigkeiten gesucht werden. Die bisherigen Anlagen arbeiten meist mit flourierten Kältemitteln und sind sehr umweltschädlich. Umweltfreundliche Kühlmittel gibt es, aber sie sind unter Umständen entflammbar. Ob und wie man sie trotzdem verwenden kann, untersuche ich mit meinem Fachbereich. Wenn es erforderlich ist, können wir den Sprengplatz, der 400 Meter Durchmesser hat, für Versuche nutzen. Daneben haben wir eigene Prüfanlagen unter freiem Himmel, um zum Beispiel Gas-Leckagen an Leitungen oder Tanks zu erforschen. Das sind teilweise Nachbauten von ganzen Systemen, von Chemie­anlagen und Reaktoren.

Wir arbeiten jetzt in einem Team von 16 Mitarbeitern hier in Horstwalde. Ein Thema, das uns in jüngerer Vergangenheit immer wieder beschäftigt hat, sind übrigens Geldautomaten. Kriminelle sprengen sie, indem sie Schweißgas einleiten und zünden. Und wir bemühen uns, gemeinsam mit den Herstellern von Automaten und Schutzsystemen die Schäden zu analysieren und Wege zum besseren Schutz aufzuzeigen.“