08.10.2019

Dr. Chayanika Das forscht zur Korrosion von Leichtbauwerkstoffen und entwickelt eine organische Beschichtung, die freigesetzte Ionen ‚einfängt‘ und sie in eine Schutzschicht umwandelt.

Dr. Chayanika Das forscht zur Korrosion von Leichtbauwerkstoffen und entwickelt eine organische Beschichtung, die freigesetzte Ionen ‚einfängt‘ und sie in eine Schutzschicht umwandelt.

Quelle: BAM

Dr. Chayanika Das wurde in Indien geboren und hat in Kalkutta, Varanasi und Pune Chemie studiert. 2018 bewarb sie sich erfolgreich um ein einjähriges Adolf-Martens-Stipendium. Seitdem forscht sie an der BAM über Korrosion. Kürzlich erhielt sie eines der begehrten Forschungsstipendien der Alexander-von-Humboldt-Stiftung zugesprochen.

Glückwunsch, Frau Das! Mit welchem Projekt haben Sie sich um das Humboldt-Stipendium beworben?

Ich forsche zur Korrosion von Leichtbauwerkstoffen, dazu zählen Aluminium- und Magnesium-Legierungen, die beim Autobau und in der Luftfahrtindustrie zum Einsatz kommen. Beim Prozess der Korrosion setzen diese metallischen Oberflächen Ionen frei, sie ‚entfliehen‘ sozusagen. Daher müssen wir die Oberflächen mit Beschichtungen vor Korrosion schützen. In der Praxis werden dafür anorganische Beschichtungen verwendet, bei deren Herstellung oft umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien zum Einsatz kommen. In meinem Projekt habe ich vorgeschlagen, stattdessen eine organische Beschichtung zu entwickeln, die die freigesetzten Ionen ‚einfängt‘ und sie in eine Schutzschicht umwandelt. Ich plane zugleich, so genannte Nanofüllstoffe in dem Schutzbezug zu platzieren. Diese undurchlässigen Füllstoffe - etwa auf der Basis von Graphen - sollen das Vordringen korrosiver Substanzen zur Metalloberfläche verhindern.

Die Humboldt-Stiftung unterstützt ausdrücklich „Personen, nicht Projekte“. Wie haben Sie die Jury von sich überzeugt?

Vielleicht durch mein interdisziplinäres Profil – während meines Ausbildungsweges hatte ich die Gelegenheit, viele wissenschaftliche Methoden zu erlernen und sie auf unterschiedliche Fragestellungen anzuwenden. Zudem hatte ich in Indien die Möglichkeit, an angesehenen Instituten zu studieren und zu forschen. Mir hat sicher auch der Umstand geholfen, dass ich bereits vor einem Jahr als Adolf-Martens-Stipendiatin an die BAM gekommen bin und hier meine Forschungen vorantreiben und ihnen eine neue Richtung geben konnte. Schließlich haben mich auch die BAM und meine Betreuerin Özlem Özcan bei der Konzeption und Vorbereitung des Antrags unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Woher stammt Ihr Interesse für Chemie?

In der Schule hatte ich zwei exzellente Chemielehrer. Sie haben mich motiviert, das Fach zu studieren. Und meine ältere Schwester ist ebenfalls Chemikerin, ich glaube, sie hat mich in gewisser Weise vorgeprägt.

Wie sind Sie ausgerechnet zur Korrosionsforschung gekommen?

In meiner Doktorarbeit habe ich zur Energiespeicherung und Katalyse gearbeitet. Danach wollte ich meine Kenntnisse erweitern und fand, dass Korrosion ein Gebiet sei, in dem ich Neues erlernen und zugleich meine bisherigen Fähigkeiten einbringen könnte. Zudem ist die Korrosionsforschung relevant für viele Fragestellungen in der Industrie und berührt zahlreiche Umweltaspekte.

Warum haben Sie sich entschieden, Indien zu verlassen und nach Deutschland zu gehen?

Während der Promotion habe ich am National Chemical Laboratory in Pune geforscht. Dort ist die Infrastruktur auf ähnlichem hohem Niveau wie in Deutschland. Aber die Work-Life-Balance ist eine ganz andere: In Indien haben wir den ganzen Tag im Labor verbracht, unterbrochen nur von kurzen Pausen. Auch regelmäßige Arbeit am Wochenende war üblich. In Deutschland gibt es eine viel gesündere Balance – das hatte ich jedenfalls von Bekannten gehört, die bereits hier waren. Meiner Meinung nach ist das kein unbedeutender Aspekt: Man bleibt motiviert und interessiert an der eigenen Arbeit.

Darüber hinaus finde ich es wichtig, sich in einem neuen Umfeld, in anderen Teams zurechtfinden zu können. Aus all diesen Gründen dachte ich, es wäre eine gute Idee, nach Deutschland zu gehen. Und so habe ich mich im Frühjahr 2018 um ein Adolf-Martens-Stipendium beworben.

Ihr erster Eindruck von der BAM?

Am ersten Tag, als ich an der BAM angefangen habe, war alles eingerichtet: mein Schreibtisch, mein Laptop, der Zugang zum IT-System, der Arbeitsplatz im Labor. So konnte ich sofort mit der Arbeit beginnen. Das war großartig und hat mich sehr überrascht – Ähnliches habe ich in Indien nie erlebt. Ich habe mich an der BAM willkommen gefühlt. Zudem ist die Forschungsinfrastruktur hier sehr gut, auch die Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen. Und ich bin in einem Team, in dem sich alle gegenseitig unterstützen.

Gibt es schon Pläne für die Zeit nach dem Humboldt-Stipendium?

Ich weiß noch nicht, was nach den zwei Jahren kommt. Aber ich würde gern hierbleiben. Inzwischen habe ich auch begonnen, Deutsch zu lernen.