Werner Jürgen

Werner Jürgen beim Instrumentieren einer doppelt gekerbten Zugprobe zur Werkstoffprüfung

Quelle: BAM

"Für Sicherheit, die jeder Belastung standhält."

Interview mit Werner Jürgen, Fachbereich Betriebsfestigkeit und Bauteilsicherheit

Seit wann arbeiten Sie bei der BAM und was sind Ihre Aufgaben?

Ich bin seit September 1988 bei der BAM beschäftigt. Eingestellt wurde ich in der Schweißtechnik zur Erstellung von metallographischen Gefügeschliffen. Ab dem Januar 1994 war ich in Königs Wusterhausen im Labor V.23 mit der Prüfung von Proben auf ihre mechanischen Kennwerte (Zugfestigkeit, Streckgrenze, Bruchdehnung, Brucheinschnürung) beauftragt. Seit langem bin ich jetzt als Werkstoffprüfer auf dem Stammgelände im Fachbereich Betriebsfestigkeit und Bauteilsicherheit tätig.

Im Leitbild der BAM heißt es: „Wir arbeiten für eine ausgeprägte Sicherheitskultur in Deutschland und Sicherheitsstandards, die auch in Zukunft höchsten Anforderungen genügen.“ Welchen Beitrag leisten Sie mit Ihrer Arbeit für die Sicherheit in Technik und Chemie?

Einen wichtigen Beitrag zur Sicherheitsbewertung liefern experimentell ermittelte Eigenschaftswerte, die dann mit Sollwerten verglichen werden können. Mein Arbeitsgebiet ist dabei breit und erstreckt sich von der Prüfung von Halbzeugen über genormte Proben bis zu Bauteilen. Einheitlich ist es jedoch bei den von mir durchgeführten experimentellen Untersuchungen sehr wichtig, die richtigen Verfahren auszuwählen, präzise durchzuführen und geeignet auszuwerten. Oft sind aufgabenbezogen spezielle Prüfnormen anzuwenden (zum Beispiel DIN, EN, ISO, ASTM, TGL). Wichtige Beispiele meiner Arbeit sind die Ermittlung von mechanischen Kennwerten von Gusseisenwerkstoffen im Rahmen der Bauartprüfung und Qualitätsüberwachung von Behältern für radioaktive Stoffe oder von Proben aus Bauwerken wie Sendemasten, Brücken, Schleusen usw., bei denen die BAM zur Gewährleistung der Sicherheit gutachterlich tätig wird. Ferner fließen Ergebnisse von mir durchgeführter Versuche ein in Schadensgutachten, die die BAM als unabhängiger Gutachter für Gerichte durchführt.

Was war bisher Ihre spannendste Aufgabe/Ihr spannendstes Projekt?

Eine sehr spannende und praxisnahe Prüfaufgabe bestand darin, im Zugversuch mechanische Eigenschaften von Drähten für die Kieferorthopädie zu ermitteln. Es handelte sich hierbei um Drähte aus Formgedächtnislegierungen, die exakt bei einer Temperatur von 35 °C mit einer geforderten Temperaturgenauigkeit von +/- 1°C durchzuführen waren. Diese Genauigkeit der Prüftemperatur ist in einer Universalprüfmaschine innerhalb eines üblicherweise verwendeten Umluftofens nicht zu erfüllen. Wir haben daher für diese Prüfungen eine Temperiervorrichtung mit einem temperaturgeregelten Wasserbad mit einer Temperaturgenauigkeit von +/- 0,1 °C konstruiert. Die Proben wurden dann in diesem Wasserbad geprüft.

Welchen Anspruch haben Sie an Ihre Arbeit? Was spornt Sie an?

Natürlich wollen wir nur Ergebnisse produzieren, die belastbar sind und dem Stand der Technik entsprechen. Das ist für uns selbstverständlich. Da wir selbst aber auch forschen, können wir jedoch auch den Stand der Wissenschaft ständig in unsere Arbeit einfließen lassen.

Was sind für Sie die drei wichtigsten Voraussetzungen für Wissenstransfer und Zusammenarbeit innerhalb der BAM?

Wir haben den Luxus, im eigenen Hause Fachkompetenz auf vielen Gebieten zur Verfügung zu haben. Zusammenarbeit fängt für mich da an, wo ich mit Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch kommen kann, um deren Erfahrungen und Möglichkeiten für die Lösung unserer eigenen Aufgaben unkompliziert nutzen zu können.

Was antworten Sie einer Bewerberin oder einem Bewerber auf die Frage: „Warum lohnt es sich, bei der BAM zu arbeiten?“

Die Vielfalt der Prüfaufgaben bei fast jedem Prüfauftrag ist eine interessante Herausforderung. Ich sehe daher einen Vorteil darin, kaum monotone Prüfaufgaben ausführen zu müssen.