2014 brennt ein Unfallauto bei Bad Segeberg. Als die Feuerwehr zu löschen beginnt, explodiert der Gastank des Fahrzeugs. Die Explosion verletzt zehn Feuerwehrleute schwer. Hätten die Helfer von der Gefahr gewusst und die möglichen Auswirkungen gekannt, hätten sie notwendige Sicherheitsabstände besser einhalten können.

Messungen mit Infrarotkameras und Drohne

Um solche Gefahren zu minimieren, untersuchen Experten der BAM Worst-Case-Szenarien von Unfällen, bei denen die Gastanks von Fahrzeugen beschädigt werden und der Treibstoff freigesetzt wird. In Verbindung mit dem Sauerstoff der Umgebungsluft und einer Zündquelle kann es so zu einer Explosion kommen. Fragestellungen, welche in diesem Zusammenhang geklärt werden sollen, sind u. a. mit welcher, für Menschen gefährlichen, Temperatur- und Druckwirkung im Falle einer Zündung zu rechnen ist. Um die Wärmestrahlung für derart hochdynamische Prozesse zu bestimmen, hat die BAM ein System aus mehreren Infrarotkameras entwickelt. Damit Einsatzkräfte austretendes Gas auch möglichst aus sicherer Entfernung detektieren können, wird aktuell ein Messsystem zur Bestimmung der Gaskonzentration in ein UAV (Unmanned Aerial Vehicle), auch Drohne genannt, implementiert und unter realitätsnahen Bedingungen getestet.

Verschiedenste Behälter für alternative Treibstoffe werden untersucht

In einem weiteren Schadensszenario werden die Auswirkungen betrachtet, wenn Behälter mit alternativem Treibstoff nicht versagen, jedoch unfallbedingt unterfeuert werden. In bisherigen Voruntersuchungen wurden dazu 15 handelsübliche Propangasflaschen unterfeuert und die Folgen (Druck, Temperatur, Wärmestrahlung und Trümmerwurf) dokumentiert. Es folgten systematische, zerstörende Großversuchsreihen in denen verschiedene Behälter (Stahltanks, Composite-Tanks) für alternative Antriebe, wie Liquefied Petroleum Gas (LPG), Compressed Natural Gas (CNG) und Wasserstoff unterfeuert wurden.

Ziel der BAM ist es, die Sicherheit beim Einsatz alternativer Treibstoffe allgemein zu erhöhen. So sollen aus den Versuchen von Dr.-Ing. Martin Kluge und seinem interdisziplinären Expertenteam gesammelten Erfahrungen, Sicherheitsempfehlungen für Unfallhelfer und Einsatzkräfte entwickelt werden.

Weitere Informationen zum Projekt "Complex Fires - Auswirkungen von Behälterversagen" finden Sie hier.