Die BAM einfach erklärt
Strommast
Im November 2005 kam es im Münsterland, Nordrhein-Westfalen, zu einem flächendeckenden Stromausfall. 250.000 Menschen waren ohne Elektrizität, einige von ihnen bis zu 50 Stunden lang. Fünf Fernleitungen eines Stromversorgers waren von Eis- und Schneelasten schwer beschädigt worden, dutzende Strommasten waren umgeknickt. Was oder wer war schuld? Die Bundesnetzagentur beauftragte die BAM, ein Gutachten zu erstellen. Die Experten untersuchten Teile der umgefallenen Masten. Die Bauteile, die unter den extremen Belastungen versagt hatten, interessierten sie besonders. Die Sachverständigen fanden heraus, dass neben den Unwetterbelastungen weitere Faktoren zum Versagen der Masten führten. Viele waren bereits in den sechziger Jahren aufgestellt worden. Dabei wurden z. T. Bauteile aus Stahl verwendet, welcher nach dem Thomas-Verfahren hergestellt wurde. Es ist bekannt, dass Thomasstahl im Laufe der Zeit spröde werden kann. Das war auch dem betroffenen Stromversorger bewusst. Bei einer Sanierung ließ das Unternehmen deshalb besonders belastete Teile der Strommasten austauschen. Die bei der Errichtung der Strommasten geltenden Normen wurden dabei eingehalten. Die BAM konnte jedoch an einer Fernleitung nachweisen, dass der erste Mast, der umknickte, ein sanierter Mast war; weitere fielen um wie Dominosteine. Eine ungewöhnliche Verkettung verschiedener Faktoren hatte also zum Versagen der Masten geführt. In den einschlägigen Kreisen wird nun über eine angemessene Form der Sanierung beraten.
Die BAM trägt durch Gutachten zur Aufklärung von Schadensfällen bei. Die Ergebnisse von Schadensanalysen führen nicht selten zu neuen Erkenntnissen über Materialeigenschaften, ungünstige Konstruktionen, unbekannte Belastungen oder Mängel an Regelwerken.
Weitere Informationen:
Fachbereich 9.1 Betriebsfestigkeit und Bauteilsicherheit
ICP-Massenspektrometer mit HPLC-Kopplung
Nebenwirkungen – dieser Begriff macht klar, dass praktisch jedes pharmazeutische Präparat nicht nur erwünschte Hauptwirkungen besitzt sondern an anderen Stellen in natürliche Abläufe eingreifen kann.
Seit längerem stehen zum Beispiel hormonell wirkende Stoffe unter dem Verdacht, bei Fischpopulationen in den Oberflächengewässern zu bedenklichen Folgen zu führen. Vom Körper ausgeschieden, passieren sie in inzwischen deutlich nachweisbaren Mengen die Klärwerke. Nicht nur Hormonverbindungen belasten unsere Gewässer sondern auch andere chemische Stoffe unserer modernen Welt. So steht etwa die Stoffgruppe der Gadoliniumchelate im Fokus der chemischen Analytiker der BAM. Gadoliniumchelate sind metallorganische Komplexverbindungen, die in der medizinischen Diagnostik als Kontrastmittel für die Magnetresonanztomographie (MRT, auch: Kernspintomographie) eingesetzt werden. Forscher der BAM entwickelten eine zuverlässige und schnelle Methode zur Messung von Gadoliniumchelatspuren in Wasser und validierten das Verfahren an Proben aus Berliner Seen.
Für die Analyse der Kontrastmittel setzten sie die Hochleistungsflüssigkeitschromatographie mit einer speziellen Trennsäule, der ZIC-HILIC-Säule, koppelt mit der Ionenplasma-Massenspektrometrie (HPLC-ICP-MS) ein: ein bereits gebräuchliches Analyseverfahren, das aber für die Suche nach den Chelaten präzise angepasst werden musste. So werden die verschiedenen in der HPLC separierten Chelate im nachfolgenden Massenspektrometer dann qualitativ und quantitativ bestimmt. Damit steht nun ein Analyseverfahren für den präzisen Nachweis von Gadoliniumchelate in Gewässern zur Verfügung.
Weitere Informationen:
Fachbereich 1.6 Anorganische Referenzmaterialien
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