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Bundesadler



Die BAM einfach erklärt

… was übrig haben für die Kunst ...

Naturwissenschaft und Kunst, zwei Welten. In der BAM finden sie zusammen. Berührungsängste zwischen Naturwissenschaftlern und den Kreativen der Kunst gibt es nicht. Mitarbeiter der BAM engagieren sich zusammen mit Kunstexperten schon seit Jahren in einer ganzen Reihe von Projekten. Die Aufgabenstellungen sind unterschiedlich.

Der Schrein der Heiligen Drei Könige

Der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom

Der Schrein der Heiligen Drei Könige
im Kölner Dom. © Dombauverwaltung Köln

Der Schrein der Heiligen Drei Könige im Kölner Dom wurde vor mehr als 800 Jahren angefertigt. In ihm sollen die Gebeine der Heiligen Drei Könige ruhen. Der Schrein ist außergewöhnlich – und das nicht nur in religiöser Hinsicht. Er ist das größte in Goldschmiedearbeit angefertigte Reliquiar des Mittelalters in Europa. Er ist etwa 1,10 m breit, 1,50 m hoch und 2,20 m lang. Man verwendete allein für die vordere Schmalseite über 5 kg Feingold. Die meisten Figuren sind aus vergoldetem Silber, außerdem schmückte man den Schrein mit mehr als 300 Schmucksteinen, über 1700 Edelsteinen und etwa 200 Perlen. Allerdings wusste man bis vor Kurzem nicht genau, welche Teile des Schreins 800 Jahre unverändert überdauert hatten und welche Teile in späteren Jahrhunderten originalgetreu restauriert wurden. Die Goldschmiede hielten sich bei der Anfertigung der Ersatzstücke perfekt an die Originale und passten die Teile so unauffällig ein, dass sie sich kaum von den ursprünglichen Stücken unterscheiden. Außerdem wurden nicht alle Reparaturen dokumentiert, so dass deren zeitliche Zuordnung bislang nicht eindeutig möglich war. Man wusste, dass um 1750 und um 1800 Restaurierungsarbeiten durchgeführt wurden, dann wieder 1961 bis 1972. Kunsthistoriker der Kölner Dombauverwaltung und Restauratoren des Rheinischen Landesmuseums Bonn analysierten nun einzelne vom Schrein abgenommene Beschläge mit chemischen Verfahren. Die BAM unterstützte die Spurensuche durch eine Methode, mit der die gesamte Metalloberfläche des Schreins untersucht werden konnte: mit dem Wirbelstromprüfverfahren. Mit diesem Verfahren konnten unterschiedliche Legierungen der Figuren und Beschläge des Schreins identifiziert werden. Grundlage hierfür waren in der BAM durchgeführte Messungen der elektrischen Leitfähigkeit an Vergleichsproben. Mit den Ergebnissen konnte plausibel gemacht werden, dass schon im frühen 19. Jahrhundert eine äußerst überzeugende Technik für Reparaturen angewendet wurde. Die Ergebnisse der beiden Untersuchungsverfahren waren für die rheinländischen Kunsthistoriker von großem Wert, denn nun konnte so manche Vermutung durch Daten belegt werden.

Der Betende Knabe

Skulptur im Labor

Skulptur im Labor

Auch beim Betenden Knaben aus der Berliner Antikensammlung war die Altersbestimmung problematisch. Man ging davon aus, dass die Bronzefigur um das Jahr 1500 herum auf der Insel Rhodos gefunden wurde. Aber wie alt war sie wirklich? Die BAM untersuchte Erd- und Pflanzenreste im Inneren der Figur. Mit den Ergebnissen dieser Untersuchungen konnten die Kunsthistoriker nachweisen, dass der Knabe ca. 300 vor Christus geschaffen wurde und ihn somit eindeutig dem Frühellenismus zuordnen.

Bachs H-Moll Messe

Noten von Bachs H-Moll-Messe

Noten von Bachs H-Moll-Messe

Wertvolle alte Schriften beschäftigen die BAM immer wieder. Im Frühjahr 2008 untersuchten Wissenschaftler der BAM das Manuskript von Bachs H-Moll-Messe mit einer speziellen Röntgenmethode, der Röntgenfluoreszenzanalyse. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, welche Teile der Messe von Johann Sebastian Bach selbst stammen und welche von seinem Sohn Carl Philipp Emanuel Bach. Voruntersuchungen hatten ergeben, dass die Handschrift mit verschiedenen Tintenarten verfasst wurde.

Weitere Informationen:
Website: www.nike.bam.de


Die Qumran-Rollen

Probe der Qumran-Rollen im Versuchstand

Probe der Qumran-Rollen im Versuchstand zur Röntgenfloureszensanalyse

Das weitaus größte und wichtigste Forschungsvorhaben zum Thema Kunst, an dem die BAM derzeit beteiligt ist, sind die Untersuchungen an den Urtexten der Bibel. Die Fragmente gehören zu Schriftrollen, die vor 60 Jahren in einer Höhle am Toten Meer entdeckt wurden. Den Namen erhielten die 2000 Jahre alten Schriften nach dem Ort, an dem man sie fand: Qumran. Obwohl sich im Laufe der Zeit zahlreiche Forscher mit Fragmenten dieser Rollen beschäftigt haben, sind entscheidende Fragen immer noch ungeklärt: Wo wurden die Schriftrollen hergestellt? Wer schrieb die Texte? Wer brachte die Rollen in die Höhlen? Wie kann man diese Fragmente der Nachwelt erhalten? Diese Fragen beschäftigen derzeit Forscher der TU Berlin, dem Institut für Optik und Atomare Physik, der BAM und der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek Jerusalem. Aufschluss erhofft man sich von einer besonderen Untersuchungsmethode, der Mikroröntgenfluoreszenzanalyse, die an der TU Berlin entwickelt wurde. Die BAM setzt diese neue Methode am Elektronenspeicherring für Synchrotronstrahlung (BESSY) ein und untersucht mit ihr die Pergamentoberflächen. Die Strahlen werden von den chemischen Elementen der Proben rückgekoppelt, so dass die Menge und die Art der Elemente sichtbar wird. Auf diese Weise kann man in den Fragmenten der Qumran-Rollen ein spezielles Verhältnis zwischen Brom und Chlor nachweisen, das ausschließlich im Wasser und in der Luft am Toten Meer vorkommt. Mit den gewonnenen Untersuchungsergebnissen sollte es möglich sein, auf den Herkunftsort der Rollen zu schließen.

Weitere Informationen:
Website: www.nike.bam.de
BAM Aktuell: Die Schriftrollen vom Toten Meer

 

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2012-01-23  

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