Graffiti sind eine unübersehbare Begleiterscheinung falsch verstandener menschlicher „Kreativität“. Neben der direkten Verunstaltung betroffener Objekte und den daraus resultierenden Mehrkosten, welche auf die Eigentümer durch teure Reinigungsmaßnahmen zukommen, haben Graffiti auch einen sozioökonomischen Effekt: Gebäude oder Bezirke die durch Graffiti verunstaltet sind, werden als weniger wert oder im Extremfall sogar als verwahrlost empfunden. Die geringere Wertschätzung geht meist auch mit Wertminderung der Objekte und des umgebenden Lebensraums einher. Neben diesen indirekten Effekten können Graffiti jedoch auch direkt schädigend auf die Bausubstanz einwirken. Durch drastische Verringerung der Wasserdampfdiffusion infolge des Farbschichtauftrags können besonders poröse historische Baustoffe durch Abplatzungen oder Absanden geschädigt werden. Weiterhin können die Bauoberflächen durch unsachgemäße Reinigungsmaßnahmen beim Entfernen der Graffiti bleibend zerstört werden.
Maßnahmen gegen Graffiti bestehen in den so genannten Anti-Graffiti-Systemen (AGS). Es werden permanente und temporäre AGS unterschieden. Temporäre Systeme, so genannte Opfersysteme, werden bei einer Reinigung mit der Farbe entfernt und müssen wieder neu aufgebracht werden. Permanente Systeme bleiben hingegen auch nach mehrmaliger Graffitientfernung auf der Baustoffoberfläche bestehen.
Die Forschungsarbeiten der Gruppe zu AGS konzentrieren sich auf das Verhalten von temporären und permanenten Systemen auf porösen Untergründen, wie sie auch bei historischen Bauwerken und Baudenkmälern eingesetzt wurden (z. B. Naturstein, Ziegel). Diese Untergründe sind zum einen besonders schwierig von Graffiti zu reinigen zum anderen sind kommerzielle Anti-Graffiti-Systeme meist für dichte Untergründe wie Metalloberflächen oder Beton konzipiert. Die Untersuchungen werden über einen längeren Zeitraum durchgeführt, um das Langzeitverhalten von AGS zu beurteilen. Im europäischen Projekt „Graffitage“ (www.graffitage.com, Förderzeitraum 2005 bis 2008) wurde zusammen mit neun weiteren Partnern die Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit eines neu entwickelten Systems geprüft, das speziell zum Graffitischutz von porösen Materialien entworfen wurde. Die Graffiti-Reinigung von Naturstein- und Ziegeloberflächen wird durch das System sehr stark erleichtert, ohne dass die Oberfläche hierbei versiegelt wird. Das Verhalten im Langzeitversuch wird zurzeit noch untersucht. Zukünftige Arbeitsschwerpunkte richten sich auf die Wechselwirkung zwischen Farbe, permanenten AGS und Substrat bei der Reinigung und deren Einfluss auf die Dauerhaftigkeit des AGS.
Reinigung einer mit AGS behandelten Testfläche
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